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Mächtiger Gewerkschaftsboss

Aus ärmlichen Verhältnissen stammend hat sich der 1913 geborene Jimmy Hoffa zu einem der mächtigsten Gewerkschaftsbosse der USA hinaufgearbeitet. Als Chef der Gewerkschaft der Transportarbeiter, Teamsters, in Detroit verfing er sich in einem undurchsichtigen Netz von Gewerkschafts- und „hoher“ Politik, Machtkämpfen innerhalb der mächtig gewordenen Arbeitervertretung, Gewalt, Korruption und organisiertem Verbrechen.

Schon als Hoffa 1952 Vizepräsident der Gewerkschaft wurde, geriet er bald ins Visier der Behörden. Besonders ein Mann wurde zu seinem Intimfeind: Robert F. Kennedy sammelte als Chefberater eines Ausschusses, der die kriminellen Handlungen von Teamsters und ihre Mafia-Kontakte untersuchte, Beweise gegen Hoffa.

Präsidentschaft statt Gefängnis

Wegen eines Bestechungsversuchs wurde Hoffa vom FBI überwacht und vor Gericht gestellt. Die Geschworenen konnten sich aber zu keiner Verurteilung durchringen. Hoffas Anwalt kündigte daraufhin an, Robert F. Kennedy einen Fallschirm zu schicken. Dieser hatte zuvor nämlich gemeint, er würde vom Kapitol springen, wenn Hoffa nicht verurteilt wird. Die Provokation riss noch tiefere Gräben zwischen den beiden Männern auf. Teamsters-Präsident Dave Beck blieb hingegen das Gefängnis nicht erspart - und so stieg Hoffa noch im selben Jahr zu seinem Nachfolger auf.

Auch mit der Karriere seines Kontrahent ging es nach oben: Als John F. Kennedy 1960 US-Präsident wurde, machte er seinen Bruder Robert zum Justizminister - und er nahm Hoffa noch schärfer ins Visier. Nach etlichen Prozessen wurde der Gewerkschaftsboss schließlich 1964 in Nashville wegen Bestechung zu acht Jahren und in Chicago wegen Betrugs und Verschwörung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Seine Berufungsverfahren scheiterten, doch erst 1967 trat er die Haftstrafe an.

Kennedy erschossen

Ein Jahr später, im Juni 1968, wurde Robert F. Kennedy getötet. Der in Jerusalem geborene christliche Araber Sirhan Sirhan hatte Kennedy mit einer Pistole erschossen, als dieser in einem Hotel in Los Angeles seinen Sieg bei der Vorwahl der Demokratischen Partei in Kalifornien bekanntgeben wollte. Sirhan rief nach der Tat: „Ich habe es für mein Land getan.“ Offenbar war er wütend wegen Kennedys Einsatz für die Lieferung amerikanischer Kampfjets an Israel.

Er wurde zum Tod verurteilt, später wurde die Strafe in lebenslange Haft gewandelt. Dennoch tauchten immer wieder Gerüchte auf, die Tat könnte ganz anders verlaufen sein. Auch von einem zweiten Schützen war die Rede - und freilich wurde auch Kennedys Intimfeind Hoffa hinter dem Attentat vermutet.

Von Nixon begnadigt

Hoffa traf auch im Gefängnis die wichtigsten Entscheidungen für seine Gewerkschaft. Er musste sein Haftstrafe nicht ganz absitzen. Bereits 1971 begnadigte ihn Präsident Richard Nixon. Von Parteispenden der Gewerkschaft für die Republikaner war die Rede. 1972 unterstützte Teamsters jedenfalls auch die Kandidatur Nixons, obwohl die Gewerkschaft in früheren Jahren immer aufseiten der Demokraten gestanden war.

Hoffa musste zwar als Bedingung für seine Freilassung auf den Vorsitz der Gewerkschaft verzichten, fing aber alsbald an, sein Comeback zu planen - bis er 1975 verschwand. Seit 1999 ist aber wieder ein Hoffa an der Spitze von Teamsters: Jimmys Sohn James ist seit damals Präsident.

Gerüchte über JFK-Attentat

Das vielleicht wildeste Gerücht rund um Hoffa lieferte 1992 das Klatschblatt „New York Post“: Demnach soll der Gewerkschaftsboss 1963 zwei Mafiosi für die Ermordung John F. Kennedys angeheuert haben. Ex-Rechtsanwalt Frank Regano sagte der Zeitung, Hoffa habe ihm Anfang 1963 eine Botschaft an die Mafia-Bosse Santos Trafficante und Carlos Marcello überbracht, die den Auftrag zu dem Mord enthalten habe. Kennedy wurde am 22. November 1963 in Dallas erschossen.

Keine Beweise

„Jimmy sagte mir, ich solle Marcello und Trafficante sagen, sie müssten den Präsidenten töten“, sagte Regano der Zeitung zufolge. Er sei unfreiwillig bei dem Mordkomplott zum Boten geworden. Nach dem Mord an Kennedy habe Hoffa gesagt, die Tat sei eine gute Neuigkeit. Der „New York Post“ zufolge war Kennedy den beiden Mafiosi verhasst, weil sein Bruder Robert gegen das organisierte Verbrechen vorging.

Trafficante starb 1987, Marcello 1993. Letzterer wurde auch von George Robert Blakey, Vorsitzender einer Untersuchungskommission zum Attentat, verdächtigt, in das Kriminalrätsel involviert gewesen zu sein. Auch der texanische Anwalt und Historiker Mark North wollte in einem Buch Marcello und Hoffa für die Tat verantwortlich wissen. Beweise für all diese Theorien fand man aber nicht.

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