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Nur acht Reporter zugelassen

Am Samstag hat der Prozess gegen den Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, begonnen. Dutzende Journalisten aus aller Welt versammelten sich im Pressesaal des Vatikans. Doch lediglich eine Handvoll Journalisten sind im Gerichtssaal zugelassen. Es soll keine Bilder aus dem Gerichtssaal geben, weder Fotos noch Fernsehaufzeichnungen.

Das große Medieninteresse musste der Vatikan aus Platzgründen zügeln: Zu den Verhandlungen sind lediglich acht Printmedien- und Agenturjournalisten zugelassen. Weder Fotografen noch Kameraleute durften in den Saal. Auch Audioaufzeichnungen waren nicht vorgesehen. Die geringe Zahl der zugelassenen Journalisten hatte im Vorfeld für Unmut unter Medienvertretern gesorgt.

Kleine Aula hinter der Peterskirche

Der Prozess findet in der kleinen Aula des Gerichts hinter der Peterskirche statt. In dem kargen, holzvertäfelten Zimmer befindet sich eine lange Bank mit einem Kruzifix an der Wand. Auf der Bank nahmen der Präsident des vatikanischen Gerichts, Giuseppe dalla Torre, sowie die Richter Paolo Papanti Pelletier und Venerando Marano Platz. Die Anklage vertrat der vatikanischen Staatsanwalt Nicola Picardi, der die Ermittlungen geführt hat. Anwesend war auch Untersuchungsrichter Piero Antonio Bonnet.

Die Verteidigung Gabrieles übernahm vor Gericht die Anwältin Cristiana Arru. Der zweite Anwalt Gabrieles, Carlo Fusco, hatte vor einigen Wochen auf die Verteidigung des Kammerdieners verzichtet.

Prozessdauer offen

Wie lange der Prozess dauern wird, sei offen, sagte Giovanni Giacobbe, Jurist am vatikanischen Berufungsgericht, vor Verfahrensbeginn. „Es gibt Prozesse, die am selben Tag zu Ende sind, und andere, die Monate dauern. Es gibt keine Regel.“ Am Samstag wurde der Prozess auf Dienstag vertagt.

Weitere Gerichtsverhandlungen sind danach täglich bis zum 6. Oktober vorgesehen. Geht der Prozess bis dahin nicht zu Ende, wird er während der Bischofsynode, die zu der Zeit stattfindet, ausgesetzt und später weitergeführt. Dalla Torre, meinte aber, dass das Verfahren bereits kommende Woche zu Ende gehen könnte.

Kardinäle als Zeugen

Mehrere Zeugen müssen im Rahmen des Verfahrens vernommen werden. Ihre Namen wurden nicht bekanntgegeben. Wie „La Repubblica“ am Freitag berichtete, sei nicht ausgeschlossen, dass die Richter die Mitglieder der Kardinalskommission vernehmen werden, die im Auftrag des Papstes die Untersuchung im Skandal um die Entwendung vertraulicher Dokumente des Papstes geführt haben. Die Kardinalskommission besteht aus dem Spanier Julian Herranz, dem Slowaken Jozef Tomko und dem Süditaliener Salvatore de Giorgi.

Die drei Kardinäle hatten in den vergangenen Monaten ermittelt, wie die Dokumente vom Schreibtisch des Papstes oder seines Privatsekretärs Prälat Georg Gänswein verschwinden konnten. Sie versuchten, Umstände, mögliche Hintermänner und Helfershelfer Gabrieles zu klären. Auch die Motive für den gezielten Geheimnisverrat versuchten sie zu ergründen.

Noch nie so schwere Vorwürfe

„Der Prozess gegen Gabriele ist in seiner Art ein einmaliges Verfahren. Bisher war noch nie ein Kammerdiener des Papstes mit so schweren Vorwürfen konfrontiert“, sagte der Historiker der katholischen Kirche und Kirchenrechtler an der römischen Universität Roma Tre, Carlo Cardia. „Im Vatikan wurden bisher nur Urteile zu geringeren Angelegenheiten gefällt wie kleinen Diebstählen, Disziplinarfällen und Entlassungen. Bisher war aber noch kein Häftling wegen des Vorwurfes vor Gericht gestanden, päpstliche Dokumente entwendet zu haben“, so Cardia im Interview mit „La Repubblica“.

Im Fall einer Verurteilung drohen Gabriele bis zu vier Jahre Haft. Der Papst könnte jedoch seinen engen Mitarbeiter, der nach 53 Tagen Untersuchungshaft jetzt unter Hausarrest steht, begnadigen. Ein Gefängnis, das auf dauerhafte Häftlinge eingerichtet ist, gibt es im Vatikan ohnehin nicht - Gabriele müsste dann auf italienischem Staatsgebiet hinter Gitter.

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