Kämpfe im syrischen Aleppo heftig wie nie

Nach der Ankündigung eines Großangriffs der syrischen Rebellen auf die nordwestliche Metropole Aleppo haben heute in der Stadt laut Aktivisten und Einwohnern bisher beispiellose Kämpfe getobt.

Nach dem Beginn der Offensive gestern hätten zunächst nur „in einer oder zwei Straßen eines Stadtviertels“ Gefechte stattgefunden, sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, heute der Nachrichtenagentur AFP. In der Früh habe es hingegen Kämpfe „an mehreren Fronten“ gegeben, die in dem bisherigen Konflikt „beispiellos“ seien.

Auch Einwohner von Vierteln Aleppos, die bisher weitgehend von Gewalt verschont geblieben waren, berichteten AFP von heftigen Gefechten. Sie sagten ebenfalls, diese seien bisher „ohne Beispiel“. Die syrischen Rebellen hatten nach eigenen Angaben gestern einen Großangriff auf Aleppo gestartet. Laut einem desertierten Offizier waren „Tausende“ Kämpfer im Einsatz. Seit Beginn des Aufstands gegen Staatschef Baschar al-Assad Mitte März 2011 wurden in dem Land nach Angaben der Beobachtungsstelle fast 30.000 Menschen getötet.

Aktivist hingerichtet

Während Rebellen versuchten, die Bastionen der Regierungstruppen in Aleppo zu stürmen, gingen Assads Truppen andernorts brutal gegen die Aufständischen vor. Aktivisten meldeten, in der Stadt Deir al-Sor seien in der Früh 19 Männer von Angehörigen der Schabiha-Miliz öffentlich hingerichtet worden.

Soldaten der Armee hätten zugesehen. Unter den Opfern sei der junge Ingenieur Mohammed Fajad al-Askar, der zu den Koordinatoren des zivilen Widerstandes in der Stadt gehört habe. Am Vortag sollen landesweit etwa 160 Menschen ums Leben gekommen sein.

UNO-Menschenrechtsrat fordert Strafverfolgung

Der UNO-Menschenrechtsrat befürwortet die strafrechtliche Verfolgung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Syrien. In einer in Genf angenommenen Resolution verwies er auf eine mögliche Rolle des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag.

Der Rat verlängerte auch das Mandat der UNO-Untersuchungskommission, die in mehreren Berichten Menschenrechtsverletzungen für zukünftige Gerichtsprozesse dokumentiert hat. 41 Ratsmitglieder stimmten für die Resolution. Russland und China sprachen sich dagegen aus.