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Mehr Zeit kostet mehr Zinsen

Die von Griechenland geforderte Verlängerung der Rückzahlungsfristen würde das Land deutlich mehr Geld kosten. Erstmals bezifferte die Regierung in Athen am Dienstag den Betrag mit zwölf bis 15 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) machte inzwischen klar, dass sie für eine Beteiligung an einem zweiten Schuldenschnitt nicht zu haben ist.

„Der mögliche, zusätzliche externe Finanzierungsbedarf kann nur durch die Mitgliedsstaaten der Euro-Zone geschlossen werden“, sagte der deutsche EZB-Direktor, Jörg Asmussen, der Tageszeitung „Die Welt“ (Mittwoch-Ausgabe). Eine Umschuldung auf Kosten der EZB stehe insofern nicht zur Diskussion.

„Die EZB könnte sich an einer solchen Umschuldung auch gar nicht beteiligen, da das eine verbotene, monetäre Staatsfinanzierung wäre“, erklärte Asmussen weiter. Der Notenbanker reagiere damit auf Druck aus Athen und anderen europäischen Hauptstädten, heißt es in dem Bericht.

Ginge es nach der Politik, sollte die Zentralbank zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten. Auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hatte den anderen öffentlichen Gläubigern zuletzt nahegelegt, Abstriche bei ihren Forderungen zu machen.

EZB bisher „ungeschoren“

Analysten schätzen, dass die EZB griechische Staatsanleihen in einem Volumen von etwa 40 Milliarden Euro hält. Die Titel wurden gekauft, um das erste Hilfspaket für Athen zu flankieren. Bereits beim ersten griechischen Schuldenschnitt im März war die EZB „ungeschoren“ davongekommen, während Privatanleger Umschuldungsklauseln zum Forderungsverzicht akzeptieren mussten. Im Schnitt mussten die Investoren mehr als 70 Prozent abschreiben.

Zusätzliche 15 Milliarden Euro für Aufschub

Die Forderung nach mehr Zeit für die Rückzahlung der Schulden würde Athen Kosten von bis zu 15 Milliarden Euro verursachen. „Wir schätzen die Finanzierungslücke auf zwölf bis 15 Milliarden Euro, die entstehen würde, wenn wir eine Verlängerung über zwei Jahre bekämen“, nannte Finanzminister Yannis Stournaras am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters erstmals konkrete Zahlen.

Er sei allerdings überzeugt, dass sein Land diese Lücke schließen könne, ohne die europäischen Steuerzahler zu belasten. „Zusätzliches Geld würde nicht benötigt“, sagte Stournaras. Derzeit scheint sich abzuzeichnen, dass Griechenland die Auflagen der Troika aus EU, EZB und IWF noch nicht erfüllt - und in den nächsten Jahren mehr Geld benötigt als bisher veranschlagt. Klarheit darüber soll der Bericht der Troika bringen, dessen Veröffentlichung sich aber immer weiter verzögert - möglicherweise sogar bis nach der US-Präsidentenwahl am 6. November.

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