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Möglicher „Kipppunkt“ ereicht

Die Eisdecke rund um den Nordpol ist auf ein Rekordminimum geschrumpft. Mit einer Fläche von 4,1 Mio. Quadratkilometern habe es die geringste Ausdehnung seit Beginn der Satellitenmessungen 1979 erreicht, teilte unlängst das National Snow & Ice Data Center der Universität Colorado in Boulder (USA) mit.

Der Rückgang entspricht in etwa der Fläche Indiens. „Im Kontext dessen, was in den vergangenen Jahren und seit Beginn der Satellitenmessungen passiert ist, zeigen diese Daten, dass die Eisfläche sich fundamental verändert“, sagte NSIDC-Wissenschaftler Walt Meier. „Die Arktis war früher von vielschichtigem Eis, oder Eis, das mehrere Jahre lang bestehen blieb, dominiert. Jetzt wird es mehr zu einer saisonalen Eisfläche, und große Teile werden im Sommer verschwinden.“

Besondere Wetterereignisse, die die starke Eisschmelze erklären könnten, habe es in diesem Jahr nicht gegeben, sagte NSIDC-Direktor Mark Serreze. „Abgesehen von einem größeren Sturm im August war das Wetter dieses Jahr nicht bemerkenswert. Das Eis ist so dünn und schwach, dass es gar nicht mehr darauf ankommt, wie stark der Wind bläst.“

Eisdecke „dramatisch zurückgegangen“

Den bisherigen Rekord hatten die Forscher im September 2007 gemessen. Damals lag die Größe der Eisfläche bei 4,17 Mio. Quadratkilometern. Teile des Arktiseises schmelzen jedes Jahr in den wärmeren Monaten und frieren in den kälteren Monaten wieder zu. Die Größe der Gesamtfläche verändert sich von Jahr zu Jahr allein schon wegen unterschiedlicher Wetterbedingungen.

Seit Beginn der Messungen 1979 sei die Gesamtfläche aber insgesamt „dramatisch zurückgegangen“, teilte das NSIDC mit. Das sei vor allem der Erderwärmung und dem globalen Klimawandel zuzuschreiben. „Wir sind jetzt in einem unerforschtem Bereich“, erklärte Serreze. „Obwohl wir lange gewusst haben, dass die Veränderungen durch die Erderwärmung zuerst und am ausgeprägtesten in der Arktis sichtbar werden, waren nur wenige von uns darauf vorbereitet, wie schnell die Veränderungen tatsächlich aufkommen würden.“

Gebiet mehr als doppelt so groß wie Europa

Der Prozess wird von Forschern auch als ein möglicher „Kipppunkt“ betrachtet - eine der sich selbst beschleunigenden Entwicklungen, die den Klimawandel und seine Folgen unumkehrbar machen könnten. Das liegt daran, dass eisfreies dunkles Wasser sich durch Sonneneinstrahlung stärker erwärmt als durch Eis bedecktes. Die schneller steigende Wassertemperatur beschleunigt wiederum die Eisschmelze.

Als Arktis wird die Land- und Meeresfläche rund um den geografischen Nordpol bezeichnet. Sie umfasst etwa 26 Mio. Quadratkilometer und ist damit mehr als doppelt so groß wie Europa. Die größte Fläche nimmt das Polarmeer ein. Daneben zählen nördliche Teile Asiens, Europas und Nordamerikas sowie Grönland dazu. Die Temperaturen können in kalten Wintern bis zu minus 70 Grad erreichen.

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