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Ahmadinedschad droht Israel

Der Iran nimmt die israelischen Angriffsdrohungen nach den Worten von Präsident Mahmud Ahmadinedschad nicht ernst, ist aber auf eine Verteidigung des Landes vorbereitet. „Wir haben alle Mittel zu unserer Verteidigung zur Verfügung, und wir sind dazu bereit“, sagte Ahmadinedschad am Montag in New York im Vorfeld der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UNO).

Israels Ministerpräsident, Benjamin Netanjahu, hat zuletzt offen die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass sein Land iranische Atomanlagen angreifen könnte, um den Bau von Waffen dort zu verhindern. Der Iran bestreitet, nach Atomwaffen zu streben, legt sein Forschungsprogramm aber nicht zur Gänze offen.

Am Sonntag hatte im Gegenzug ein General der iranischen Revolutionsgarden einen militärischen Erstschlag gegen Israel nicht ausgeschlossen. Sollte Teheran sicher sein, dass Israel einen Angriff vorbereite, könnte es zu einem Präventivschlag kommen, erklärte Amir Ali Hadschisadeh.

Ebenfalls am Wochenende hatte sich der Kommandeur der Revolutionsgarden, Mohammad Ali Dschafari, überzeugt gezeigt, dass Israel letztendlich den Iran angreifen werde. „Es wird einen Krieg geben, es ist nur nicht klar, wo und wann es sein wird.“ Israel betrachte derzeit Krieg als einzigen Weg der Konfrontation.

Israel als „minimale Störung“

Ahmadinedschad charakterisierte Israel als „eine Fußnote der Geschichte“. Den Iran gebe es „seit 7.000 bis 10.000 Jahren“, sagte er. „Sie (die Israelis, Anm.) halten dieses Gebiet seit 60 bis 70 Jahren besetzt mit Unterstützung und Gewalt des Westens. Sie haben hier keine historischen Wurzeln.“

Der Staat Israel wurde 1948 gegründet. Israel befinde sich in einer Sackgasse und versuche mit immer neuen Abenteuern, daraus zu entkommen, sagte Ahmadinedschad. „In einer Phase der Geschichte, stellen sie eine minimale Störung dar, die ins Bild kommt und dann beseitigt wird.“

Netanjahu kritisiert Obama

In Israel stoßen Netanjahus Drohgebärden nicht auf ungeteilte Zustimmung. Zuletzt warnte der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, eindringlich vor einem militärischen Alleingang seines Landes. Netanjahu gefährde mit seinen Angriffen auf US-Präsident Barack Obama das Verhältnis zum engsten Verbündeten, „mit unabsehbaren Konsequenzen“, warnte Stein in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

„An den für Israel überlebenswichtigen Beziehungen zu den USA zu rütteln, sie infrage zu stellen, den amerikanischen Präsidenten in die Ecke zu stellen - das sind Dinge, die nicht passieren dürfen. Das ist eine Krise“, sagte Stein mit Blick auf Netanjahus jüngste Äußerungen.

Netanjahu hatte im US-Fernsehen erklärt, die Amerikaner sollten einen Präsidenten wählen, der bereit sei, „rote Linien“ zu ziehen. Da der US-Präsident ein solches Ultimatum ablehnt, waren Netanjahus Äußerungen als Wahlaufruf für Obamas Herausforderer Mitt Romney gewertet worden.

Alleingang eine Nummer zu groß für Israel?

„Den jahrzehntelangen Konsens infrage zu stellen, dass die Unterstützung der Amerikaner parteiübergreifend ist, sich in der heißen Wahlkampfphase so einzumischen, halte ich für verheerend“, sagte der langjährige Botschafter, der heute beim renommierten Israelischen Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) forscht. Ein Alleingang könne eine Nummer zu groß für Israel sein.

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