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Für US-Kriegsführung immer wichtiger

Drohnen spielen in den Kriegen der USA eine immer größere Rolle, um etwa Terrorverdächtige zu attackieren und Aufklärungsflüge zu machen. Doch gleichzeitig offenbaren sich auch immer wieder die Schwächen des Kriegsgeräts: Ende vergangenen Jahres sorgten sie gleich zweimal für Schrecken in der US-Armee.

So hieß es vergangenen Oktober, ein Computervirus habe die unbemannten Flugkörper im Krieg gegen den Terrorismus befallen. Wie das Internetblog Danger Room des Computermagazins „Wired“ meldete, soll der Virus die Cockpits der „Predator“- und „Reaper“-Drohnen befallen haben, mit denen der US-Geheimdienst CIA Einsätze in Afghanistan, Pakistan und im Jemen fliegt.

Hartnäckiger Virus

Sämtliche Befehlseingaben von den Bodenstationen der unbemannten Waffen könnten durch den Virus aufgezeichnet werden, meldete auch der TV-Sender MSNBC. Der Virus sei hartnäckig und bösartig, berichten anonyme Quellen. „Wir versuchen, ihn auszuschalten, aber er kommt immer wieder zurück“, zitiert das Blog einen Informanten. Die Militär-Netzwerkspezialisten sind sich demnach noch nicht sicher, ob der Virus absichtlich oder zufällig den Weg in das System gefunden hat.

Technologie in falschen Händen

Wenige Monate später schoss der Iran eine US-Drohne ab - und die Revolutionsgarden kündigten an, die Drohne zu analysieren: „Wir wollen sehen, wieweit sie unser technisches Know-how voranbringen kann.“ Daraufhin wurde gerätselt, inwieweit der Iran das Fluggerät ausspionieren kann. Die US-Armee versuchte kurz nach dem Debakel zu beruhigen: Dem Iran fehle die Technologie.

Experten zeigten sich aber überzeugt, der Iran könne aus der Drohne viel über die Technologie erfahren. In einem BBC-Interview meint der Rüstungsexperte Nick Brown, der Iran könne vor allem einiges über Überwachungssensoren und Spionagekameras lernen, die die USA einsetzten. Schwieriger werde es aber, wenn der Iran eine solche Drohne nachbauen wolle. Es brauche komplizierte Algorithmen, um das Fluggerät zu steuern.

Steuern per Joystick

Dabei gelten Drohnen als die Kriegstechnologie der Zukunft schlechthin: Piloten steuern den unbemannten Flugkörper per Joystick und Monitor ähnlich einem Videospiel. Sie sitzen zwar in einem Cockpit, doch befindet sich dieses weit weg von den Zielen, die sie anvisieren. Statt im Flugzeug befindet sich der „Operator“ in einem Container auf einem von vier Luftwaffenstützpunkten in den USA. Das ist auch der große Vorteil von Drohnen: Es gibt keine Verluste in den eigenen Reihen.

Mythos „sauberer Krieg“

Die Militärs müssen sich selbst nicht „die Finger schmutzig machen“, sie müssen nicht physisch im Kriegsgebiet anwesend sein. Experten sprechen deshalb von einer Illusion und warnen vor dem „Mythos des sauberen Krieges“. Der Mensch als Fehlerquelle bleibt jedoch. So kann zum Beispiel die räumliche Distanz des Piloten zu seinem Kampfziel laut dem US-Kriegsexperten Peter Singer die Gefahr bergen, „sich nicht zurückhalten zu können“, sagte er in einem Interview mit dem deutschen Magazin „Spiegel“.

Drohnen sind aber nicht nur genauer und „sauberer“ als andere Waffen, sie sind auch billiger als beispielsweise Kampfjets. Und das, obwohl ein einziges Drohnensystem aus vier Fluggeräten, einer Bodenstation, einem Satellitenlink und Wartungscrews am Abschussort - um die Drohnen rund um die Uhr betriebsbereit zu halten - besteht. Je nach Einsatzgebiet und Ausstattung können Drohnen Raketen und andere Nutzlasten tragen.

Geheime US-Drohnenlager

Zum tödlichen Einsatz kamen die unbemannten US-Flugzeuge bisher in mindestens sechs Ländern: Afghanistan, Irak, Libyen, Pakistan, Somalia und Jemen. Erst Ende September berichtete die „Washington Post“ unter Berufung auf US-Beamte, dass die Regierung geheime Lager für Drohnen am Horn von Afrika und der Arabischen Halbinsel zur Terrorismusbekämpfung betreibt. Die Stützpunkte für die unbemannten Flugkörper seien Teil einer aggressiven Kampagne, um mit Al-Kaida verbundene Terrorgruppen in Somalia und dem Jemen anzugreifen.

Eines der Drohnenlager werde in Äthiopien eingerichtet. Einen Teil des Landes kontrolliert die radikalislamische Al-Schabab-Miliz aus Somalia. Ein anderer Stützpunkt wird nach Angaben der „Washington Post“ im ostafrikanischen Inselstaat Seychellen im Indischen Ozean errichtet.

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