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Bevölkerung leidet unter Terror

Die US-Drohnenangriffe in Pakistan terrorisieren laut einer Studie von US-Wissenschaftlern die Bevölkerung. Zivilisten litten rund um die Uhr unter der Angst vor Angriffen, die vor allem niederrangige Aufständische im Nordwesten des Landes zum Ziel hätten, zitierte die BBC am Dienstag aus einer Studie der Stanford University und der New York University. Auch politisch seien die Angriffe kontraproduktiv.

Die offizielle Darstellung der US-Regierung, dass die Angriffe die Sicherheit der USA erhöhen würden, sei „zumindest zweifelhaft“. Es gebe im Gegenteil Anzeichen, dass das Dauerbombardement durch Drohnen den extremistischen Kämpfern Zulauf gebracht hat.

Image der USA stark verschlechtert

Der Bericht zitiert die „New York Times“, wonach Drohnenangriffe dem Gefangenenlager Guantanamo als bisheriges Hauptargument bei der Rekrutierung der bewaffneten Milizen den Rang abgelaufen hätten. Zudem hätten die Angriffe in der pakistanischen Bevölkerung das Image der USA stark verschlechtert. Laut einer Studie sehen drei Viertel aller Pakistaner die USA als Feind.

Schätzungen zufolge haben amerikanische Drohneneinsätze bisher Hunderte Militante in Pakistan, Afghanistan und im Jemen getötet, darunter führende Mitglieder des Terrornetzwerkes Al-Kaida und der Taliban. Die Studie kritisiert allerdings die vorherrschende Meinung in den US-Medien, dass vor allem militante Kämpfer getötet werden. Einerseits seien die Opfer zumeist „Fußvolk“ der Islamisten: Nur zwei Prozent der Opfer seien hochrangige Anführer. Andererseits kommen immer wieder unbeteiligte Zivilisten ums Leben.

Opferzahl unklar

Offizielle Angaben zur Zahl der Einsätze und der Opfer gibt es nicht. Laut dem Bericht seien von Juni 2004 bis jetzt zwischen 2.562 und 3.325 Menschen in Pakistan bei Drohnenangriffen getötet worden. Die Zahl der Zivilisten unter den Toten wird mit 474 bis 881 angegeben - davon seien 176 Kinder gewesen. Die Studie räumt aber ein, dass die genauen Zahlen unklar seien, weil man sie nicht überprüfen kann. Die Region Waziristan an der Grenze zu Afghanistan sei vom pakistanischen Militär abgeriegelt und für Journalisten damit Sperrgebiet. Die US-Regierung gibt zu Drohnenangriffen keine Informationen heraus.

Furcht vor Doppelschlägen

Laut dem Bericht verließen viele Kinder die Schule - entweder aus Furcht vor Angriffen oder weil sie arbeiten müssen, um ausfallende Löhne getöteter Familienmitglieder auszugleichen. Außerdem verbreite die Praxis der doppelten Angriffe besonders viel Angst, heißt es in dem Bericht. Dabei würden auch die Helfer getötet, die den Verletzten nach einem ersten Drohnenangriff zur Hilfe eilten. Die Menschen hätten zunehmend Angst, sich in der Öffentlichkeit zu treffen - selbst bei Anlässen wie Begräbnissen, heißt es weiter. Für die Studie sei auch die Bevölkerung an Ort und Stelle befragt worden.

Obama: „Sehr gezielt“ durchgeführt

Ungeachtet der Proteste Pakistans setzen die USA im Kampf gegen Islamisten weiter regelmäßig Drohnen ein. US-Präsident Barack Obama verteidigt die Angriffe mit den unbemannten Flugzeugen. Diese würden nicht willkürlich, sondern „sehr sorgfältig“ und „sehr gezielt“ durchgeführt, hatte er Anfang des Jahres gesagt. Umstritten sei, dass die Einsätze in Pakistan nicht vom US-Militär, sondern vom Geheimdienst CIA durchgeführt würden, schreibt die BBC.

Die in London ansässige Menschenrechtsorganisation Reprieve hatte die Studie in Auftrag gegeben. Sie handelte im Namen des Pakistaners Noor Khan, der im März 2011 seinen Vater bei einem Drohnenangriff in der pakistanischen Region Nordwaziristan verlor.

Angeblich Al-Kaida-Anführer getötet

Erst am Montag wurde bei einem US-Drohnenangriff im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan nach Angaben aus Geheimdienstkreisen ein Anführer von Al-Kaida getötet. Außer Abu Kasha al-Iraqi seien bei dem Raketenbeschuss am Montagabend im Stammesgebiet Nordwaziristan fünf weitere Extremisten ums Leben gekommen, sagte ein pakistanischer Geheimdienstmitarbeiter, der anonym bleiben wollte. Der Al-Kaida-Funktionär sei ein zentraler Verbindungsmann zwischen dem Terrornetz und den Taliban gewesen. Erst am Samstag waren bei einem Drohnenangriff in Nordwaziristan drei Menschen getötet worden.

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