Wirtschaftsexperten fordern radikale Pensionsreform

Die Verunsicherung vieler Menschen über das Pensionssystem ist nach Ansicht der Experten Ulrich Schuh und Bernd Marin groß - trotz oder gerade wegen zahlreicher Reformen. Als Gegenmaßnahme schlagen sie im Namen von 30 Wirtschaftsexperten eine radikale Reform des Systems vor: Demnach soll niemand mehr ausgezahlt bekommen, als er vorher eingezahlt hat.

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Massive Kritik

Der heutige Expertenaufruf für eine neue Pensionsreform führte zu scharfer Kritik seitens der Arbeitnehmerorganisationen. Massive Pensionskürzungen für die heute Jüngeren oder starke Beitragserhöhungen wären das Ergebnis des Konzepts, ärgerte sich Josef Wöss, Leiter der AK-Wien-Abteilung Sozialpolitik.

ÖGB-Präsident Erich Foglar meinte in einer Aussendung, die Reformen der vergangenen Jahrzehnte sollen jetzt einmal wirken, bevor die Menschen durch neuerliche Pensionsdebatten verunsichert würden.

Pensionistenverbandschef Karl Blecha (SPÖ) hielt in einer Aussendung fest, „dass man schon heute länger als bis 65 arbeiten kann - wenn der Betrieb es will“. Man solle also nicht so tun, als ob längeres Arbeiten in Österreich „verboten wäre“.

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP) zeigte sich mit den Vorschlägen der Fachleute allerdings durchaus zufrieden. Das Pensionsantrittsalter sei heute mit 58 um drei Jahre niedriger als vor 40 Jahren - und das bei einer um zwölf Jahre höheren Lebenserwartungen. Dieser Trend müsse unbedingt gebrochen, das Pensionsantrittsalter dringend nach hinten verschoben werden.

Seinem Parteifreund Andreas Khol behagen die Expertenvorschläge weniger. Unter anderem verwies der Seniorenbund-Obmann in einer Aussendung auf „die soziale Schieflage“, weil das Modell auf die soziale Leistungsfähigkeit des Einzelnen zu wenig Rücksicht nehme.