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Rebellen kündigen Offensive an

In Syrien haben Regierungstruppen in der Nähe eines belebten Grenzüberganges nach Jordanien Rebellen unter Beschuss genommen. Aktivisten meldeten am Samstag heftige Kämpfe in der Gegend um den Grenzort Nasib, an dem die Autobahn von Damaskus zur jordanischen Hauptstadt Amman vorbeiführt. Außerhalb Syriens halten sich derzeit rund 257.000 Flüchtlinge auf, viele von ihnen in Jordanien.

Die Freie Syrische Armee (FSA) kündigte unterdessen eine „Offensive“ an. In einer Videobotschaft im Internet sagte der Rebellenkommandeur Riad al-Asaad, dass die Militärführung der oppositionellen Kämpfer inzwischen vom türkischen Grenzgebiet in die „befreiten Regionen“ Syriens hinein verlegt wurde. Das diene der Vorbereitung eines Sturms auf Damaskus und solle den Sturz des Regimes von Baschar al-Assad beschleunigen.

Ort der neuen Kommandozentrale geheim

FSA-Chef Asaad sprach in dem Video von „einer guten Nachricht für unser freies und heroisches syrisches Volk“. Die FSA hatte sich im Juli vergangenen Jahres aus Deserteuren der regulären syrischen Truppen gebildet. Der heutige FSA-Chef Asaad - ein ehemaliger Oberst der syrischen Armee - war damals in die Türkei geflohen, um gegen die gewaltsame Unterdrückung von Demonstrationen in seinem Land zu protestieren.

Syrische Flüchtlinge in Jordanien

APA/EPA/Jamal Nasrallah

Syrische Flüchtlinge erreichen Jordanien

Inwieweit der Schritt darauf schließen lässt, dass sich die FSA in Syrien auf dem Vormarsch sieht, war zunächst unklar. Sie machte auch keine Angaben dazu, wo ihre Kommandozentrale künftig ansässig sein wird. Innerhalb der FSA gab es in der Vergangenheit immer wieder Reibungen: Insbesondere zwischen der bisherigen Führung in der Türkei unter Asaad und dem für den Kampf in Syrien selbst zuständigen Oberst Kassem Saadeddin traten Spannungen auf.

Grenze zur Türkei als Lebensader für Rebellen

Dass die FSA bisher aus „sicherer Entfernung“ kommandierte, trug ihr bisher auch die Verachtung der vielen autonomen Rebellenkampfverbände ein, die sich nicht als Teil der FSA sehen. Laut Angaben aus der FSA erfolgte die Verlegung bereits letzte Woche. Die Türkei verstärkte am Wochenende ihre Grenzsicherung zu Syrien mit noch mehr schwerer Artillerie. Die Rebellen halten vor allem an der Grenze zur Türkei weite geschlossene Landstriche.

Karte von Syrien

APA/ORF.at

Die Grenzregionen von Syrien sind zu großen Teilen in den Händen der Rebellen

Die Grenzübergänge in der Gegend sind die Hauptnachschubroute der Rebellen. Auch sie waren am Wochenende schwer umkämpft: Offenbar will die syrische Armee verhindern, dass Rebellen den Streifen im Norden mit weiteren „befreiten Gebieten“ in der Provinz Idlib verbinden, da die Rebellen so ein geschlossenes Gebiet von der Grenze bis zur strategisch wichtigen Stadt Aleppo halten würden. Entsprechend heftig waren die Gefechte in und um Aleppo am Wochenende.

Weitere Luftangriffe auf Damaskus

In Damaskus soll die Armee erneut Luftangriffe geflogen haben, erbittert wurde weiter auch um Homs - nach Damaskus und Aleppo die drittgrößte Stadt des Landes - gekämpft. Allein bis Samstagmittag sollen die Kämpfe 35 weitere Tote gefordert haben.

Assads Gegner sprechen davon, dass in den eineinhalb Jahren des Aufstands bereits 30.000 Syrer ihr Leben lassen mussten. In Rebellen-freundlichen Gebieten im Süden führten Assads Exekutivkräfte am Samstag Razzien durch, bei denen eine unbekannte Zahl an Regimegegnern festgenommen wurde.

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