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„Es war ein persönlicher Protest“

Ein früherer georgischer Gefängniswärter, der Videoaufnahmen mutmaßlicher Misshandlungen von Häftlingen veröffentlichte, wollte damit nach eigenen Angaben ein Ende der Folter in der Ex-Sowjetrepublik erreichen. „Ich wollte dem Ganzen für immer und ewig ein Ende bereiten“, sagte Wladimir Bedukadse im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Der 35-Jährige war nach eigenen Angaben seit 2008 im Gldani-Gefängnis bei Tiflis beschäftigt. Die erschütternden Aufnahmen machte er demnach zwischen 2010 und 2012. „Ich wollte zeigen, was vor sich ging, damit die Leute das wissen“, sagte Bedukadse in Brüssel, wo er politisches Asyl beantragte.

Flucht nach Brüssel

Auf den Aufnahmen werden Häftlinge brutal getreten und offenbar vergewaltigt. Nach Bedukadse wird in Georgien gefahndet. Er floh nach eigenen Angaben im Mai mit den Videos und erreichte im Juli Brüssel. Seine Familie ist demnach jedoch weiterhin in Georgien.

Bedukadse wies Vorwürfe zurück, er habe im Namen der Opposition gehandelt: „Ich wurde nicht bezahlt. Es war ein persönlicher Protest.“ Sein Anwalt erklärte, wenn es keine Folter gegeben hätte, gäbe es auch keine Videos.

Häftlinge im Hungerstreik

Wegen andauernder brutaler Quälereien traten Medienberichten zufolge zahlreiche Häftlinge in der georgischen Hauptstadt Tiflis in einen Hungerstreik. Ihr Sohn werde trotz der Veröffentlichung von Foltervideos weiter misshandelt, zitierte die Agentur Interpressnews am Samstag die Mutter eines Gefangenen.

„Rückkehr zur Sklaverei“

Der Vorgänger von Staatschef Michail Saakaschwili, Eduard Schewardnadse, beklagte eine „Rückkehr zur Sklaverei“. Saakaschwili erklärte am Freitag, der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Videos ziele auf eine Beeinflussung der Parlamentswahl am 1. Oktober ab, die als wichtiger Stimmungstest für seine Partei gilt. Es müsse die Frage gestellt werden, warum die Aufnahmen erst jetzt gezeigt würden, sagte er in einer Fernsehansprache.

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