Themenüberblick

Demonstrationen in vielen Ländern

In der islamischen Welt haben nach den Freitagsgebeten Demonstrationen gegen die Verunglimpfung des Propheten Mohammed im Westen stattgefunden. Besonders in Pakistan kam es - trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen - vielerorts zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

So wurde von Straßenschlachten zwischen aufgebrachten Demonstranten und Polizeieinheiten berichtet: Mindestens 17 Menschen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt, hieß es seitens pakistanischer Offizieller. In Peshawar wurden mehrere Kinos niedergebrannt, die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Mindestens vier Menschen wurden dort getötet: drei Demonstranten und der Fahrer eines TV-Senders. Die Fernsehsender war währenddessen auf Sendung, der Tod des Angestellen wurde also live übertragen. Die tragischen Bilder wurden in Endlosschleife gezeigt, auch ein Kommentator wurde dazugeschaltet.

Zahlreiche Tote in Karachi

In der südlichen Hafenstadt Karachi gab es zwölf Tote, darunter drei Polizisten - 80 Menschen wurden verletzt. Tausende Demonstranten hätten dort versucht, zum US-Konsulat zu marschieren, und dabei der Polizei heftige Straßenschlachten geliefert. Nach Polizeiangaben beteiligten sich in Karachi mehr als 20.000 Menschen an den Protesten.

Proteste in Karachi, Pakistan

APA/EPA/Rehan Khan

In Karachi setzte der wütende Mob zahlreiche Autos in Band

Demonstranten durchbrachen Absperrungen

In der Hauptstadt Islamabad durchbrachen laut Medienberichten Hunderte aufgebrachte Muslime mehrere Absperrungen um das Regierungsviertel. In dem Bereich liegen in einem zusätzlich gesicherten Areal auch westliche Botschaften. Zahlreiche Polizisten und Demonstranten seien verletzt worden. Innenminister Rehman Mailk sagte, die Armee stehe zum Eingreifen bereit. Auch in Lahore lieferten Hunderte Demonstranten den Sicherheitskräften Straßenschlachten.

Die Zufahrtsstraßen zum US-Konsulat und zu den Büros westlicher Hilfsorganisationen und anderen potenziell gefährdeten Gebäuden blockierten die Behörden mit Schiffscontainern. In zahlreichen pakistanischen Großstädten wurden die Handynetze abgeschaltet, um die Gewalt einzudämmen. Auch die Einfallsstraßen in die Hauptstadt Islamabad wurden gesperrt.

Zusammenstöße in Indien

Auch im indischen Teil Kaschmirs protestierten zahlreiche Menschen gegen die USA. In der Regionalhauptstadt Srinagar kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, wie indische Medien berichteten. Um eine weitere Verbreitung des Mohammed-Schmähfilms zu verhindern, hatte die indische Regierung zuvor bereits Telefon- und Internetverbindungen in Kaschmir einschränken lassen.

Proteste in Kashmir

APA/EPA/Jaipal Singh

Im indischen Teil Kaschmirs gingen zahlreiche Menschen auf die Straße

Friedlicher Protest in Malaysia

Mehrere tausend Menschen demonstrierten auch in Malaysia friedlich gegen das islamfeindliche Mohammed-Video. Nach Polizeischätzungen waren etwa 5.000 Menschen vor dem Sitz der US-Botschaft und einer nahe gelegenen Moschee aufgezogen. Die Botschaft war in Erwartung der Proteste zuvor geschlossen worden.

Regierungschef Najib Razak bezeichnete das Video als „tief verletzend“, rief seine Landsleute aber auf, Ruhe zu bewahren und dafür zu sorgen, dass die Proteste nicht in Gewalt ausarten. „Mehr als je zuvor muss jeder von uns dazu beitragen, dass wir uns alle um mehr Respekt, Toleranz und gegenseitiges Verständnis bemühen, um in Harmonie leben zu können“, sagte der Premier.

In Indonesien, dem bevölkerungsreichsten islamischen Land der Welt, war die Polizei am Freitag nach tagelangen Protestaktionen mit Wasserwerfern vor der US-Botschaft aufgefahren. Dort sammelten sich aber nur wenige Dutzend Demonstranten, berichteten Beobachter. In Kabul protestierten rund 900 Afghanen. Hier richtete sich der Protest hauptsächlich gegen die USA, zahlreiche US-Flaggen wurden verbrannt. In Bangladesch zogen über 2.000 Menschen durch die Straßen der Hauptstadt Dhaka. Auch in Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, marschierten Tausende Menschen auf - Gewalt blieb auch hier aus.

Proteste in Dhaka, Bangladesh

APA/EPA/Abir Abdullah

In Bangladesch standen die USA im Zentrum der Proteste

Großprotest in Kairo ausgeblieben

In Ägypten konnte die radikale Salafisten-Bewegung nicht die Massen für ihre Proteste gegen die umstrittenen Karikaturen mobilisieren. Ein kleiner Trupp von etwa 70 Männern sei am Freitag zur französischen Botschaft in Kairo marschiert, berichtete ein dpa-Reporter. Groß war der Andrang dagegen bei einer Protestaktion der libanesischen Schiiten-Bewegung Hisbollah. Tausende Anhängern marschierten unter dem Motto „Wir werden zu diesen Beleidigungen der Religion nicht schweigen“ durch die libanesische Stadt Baalbek.

Auch in Deutschland fanden Protestkundgebungen statt: In Freiburg versammelten sich laut dem Veranstalter mehr als 1.000 Teilnehmer, die Polizei sprach von 900. Auf Transparenten stand unter anderem „Nein zur Beleidigungsfreiheit“ und „Wir verlangen Respekt vor dem Propheten“ sowie „Unser Prophet Mohammed ist tabu“. Die Demonstranten zogen friedlich durch die Stadt.

USA wollen mit Werbung deeskalieren

Die USA waren schon im Vorfeld um Deeskalation bemüht. In Pakistan laufe auf sieben Fernsehsendern ein Spot, in dem sich Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton von dem Video distanzierten, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums in Washington. In dem kurzen und mit Urdu-Untertiteln versehenen Beitrag sagt Obama, die Vereinigten Staaten seien ein Land, das seit seiner Gründung alle Glaubensrichtungen akzeptiere. Clinton betont, dass die USA mit dem islamfeindlichen Video nichts zu tun hätten.

Auch die EU ergriff Maßnahmen zur Deeskalation. So veröffentlichte sie gemeinsam mit der Arabischen Liga und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit eine Erklärung gegen die Verunglimpfung von Religion: „Wir verurteilen jede Förderung von religiösem Hass, die zu Feindseligkeit und Gewalt anstachelt“, heißt es in dem am Donnerstagabend verbreiteten Text.

Frankreich erließ Demoverbot

Frankreich erstickte nach der Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen mögliche Proteste im Keim: Ursprünglich für Samstag in Paris geplante Demonstrationen bleiben verboten. Frankreichs Innenminister Manuel Valls betonte, es gebe „sehr klare Anweisungen“. Etwaige Versammlungen oder Demonstrationen würden aufgelöst.

Links: