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Als James-Bond-Double auf der Leinwand

„Für immer eine Legende“ - mit Worten wie diesen trauert die Snowboardwelt um Tom Sims, einen ihrer größten Pioniere. Der 61-Jährige starb am 12. September im kalifornischen Santa Barbara an den Folgen eines Herzinfarkts.

In zahllosen Szenemagazinen und Onlineforen wird seitdem Sims’ gedacht. Auch seine engsten Weggefährten erwiesen Sims Ende vergangener Woche mit einer Gedenkveranstaltung an einem Strand im nahe Santa Barbara gelegenen Montecito die letzte Ehre, wie das Magazin „Transworld Snowboarding“ berichtete. An das turbulente Leben des Snowboardpioniers erinnerten zuletzt auch die „New York Times“ („NYT“) und die „Los Angeles Times“.

Andauernde Rivalität mit Jake Burton

Der am 6. Dezember 1950 in Los Angeles geborene Sims entdeckte als Zehnjähriger zunächst seine Leidenschaft für das Skateboard. Um auch auf den schneebedeckten Straßen seines damaligen Wohnortes New Jersey nicht auf sein Board verzichten zu müssen, baute er 1963 schließlich im Rahmen eines Schulprojektes aus alten Brettern sein mittlerweile legendäres „Skiboard“, das als eines der Ur-Snowboards den Beginn einer neuen Trendsportart markieren sollte.

Tom Sims und Jake Burton mit Snowboard

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1978 begann laut „Smithsonian“ der „Burton-Sims-Krieg“

Neben Shermann Poppen, Dimitrije Milovich und Jake Burton Carpenter gilt Sims als einer der Väter des modernen Snowboards. Mit Burton sollte Sims spätestens mit dem Verkaufsstart seiner ersten Snowboards in der Wintersaison 1978/79 eine anhaltende Rivalität verbinden. Sims habe hier zwar sportlich die Nase vorn gehabt - der Gründer des späteren Weltmarktführers Burton sei aber der bessere Geschäftsmann gewesen, so das US-Magazin „Smithsonian“.

Action-Sport für die Massen

Sims machte sich aber nicht nur in der Snowboard-, sondern auch in der Skateboardszene einen Namen als bahnbrechender Pionier. Dem Weltmeister in beiden Sportarten wird neben dem ersten kommerziellen Snowboard mit Stahlkanten, der ersten Halfpipe und dem ersten Freestyle-Snowboard etwa auch die marktreife Entwicklung von Longboards zugeschrieben. Aus diesem Grund sei Sims auch der Pate aller Boardsportarten, so der Herausgeber des „Conrete Wave Magazine“, Michael Brooke.

Tom Sims fährt Snowboard

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Auch als Aktiver erfolgreich: Sims wurde 1983 Snowboard-Weltmeister

Pat Bridges vom „Snowboarder Magazine“ nennt Sims einen jener Pioniere, die einen neuen Lifestyle auf die Pisten brachten. Angesichts des wachsenden Interesses der Massen an der actionreichen neuen Sportart war es nur mehr eine Frage der Zeit, bis auch die Liftbetreiber nach und nach ihre Anlagen für die zunächst noch abgewiesenen Snowboarder öffneten.

Als Weltmeister um Liftfahrt gebettelt

Auch Sims erinnerte sich 1995 in einem Interview daran, dass er zehn Jahre zuvor noch um eine Liftfahrt hatte betteln müssen. Dabei war er zu diesem Zeitpunkt bereits amtierender Weltmeister und eine fixe Größe in der wachsenden Snowboardszene, in der er mit seiner Firma Sims auch kommerziell erfolgreich mitmischte.

Selbst Hollywood wurde auf Sims aufmerksam und engagierte ihn als Roger-Moore-Double in der Snowboardszene des James-Bond-Films “Im Angesicht des Todes” (1985). Mittlerweile hat das Snowboard, das 1998 in Nagano seine Premiere als olympische Disziplin feierte, den Sprung zum Massensport längst geschafft.

Peter Prantner, ORF.at

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