Spekulationen über zweiten Schuldenschnitt für Griechenland

Während die griechische Regierung mit ihren internationalen Geldgebern über weitere Sparanstrengungen feilscht, hat der Chef der deutschen Commerzbank, Martin Blessing, einen zweiten Schuldenschnitt für das Land erneut ins Gespräch gebracht. „Wir werden am Schluss nochmals einen Schuldenschnitt in Griechenland sehen, an dem sich alle Gläubiger beteiligen werden“, sagte Blessing gestern in Frankfurt.

Anders als im Frühjahr könnten dann auch öffentliche Gläubiger wie die Europäische Zentralbank (EZB) und nationale Notenbanken zur Kasse gebeten werden. Erst im März hatten die privaten Gläubiger des Landes einem Anleihetausch zugestimmt, mit dem das Land um Schulden im Umfang von rund 100 Milliarden Euro entlastet worden war. Die EZB hatte damals mit der Begründung nicht teilgenommen, dass sie kein privater Gläubiger sei.

Sie hatte auf dem Markt rund 38 Milliarden Euro für griechische Staatsanleihen ausgegeben, die einen Nennwert von 50 Milliarden Euro haben. Zudem halten die Notenbanken der Euro-Länder noch griechische Anleihen. Die Schätzungen liegen bei rund zwölf Milliarden Euro.

„Die Diskussion gibt es“

Inzwischen heißt es, die damalige Aktion reiche nicht aus, um die Gesamtverschuldung des Landes bis 2020 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Schon im Juli war deshalb in EU-Kreisen die Notwendigkeit eines weiteren Schuldenschnitts ins Gespräch gekommen, der dann auch die EZB und die nationalen Notenbanken treffen könnte.

Die „Financial Times Deutschland“ berichtete vorab aus ihrer Freitag-Ausgabe, im Mittelpunkt der Überlegungen für einen zweiten Schnitt stünden die bilateralen Kredite an Griechenland aus dem ersten Hilfsprogramm von Mai 2010 bis Ende 2011 im Volumen von 53 Milliarden Euro. „Die Diskussion gibt es“, zitierte die Zeitung einen hochrangigen Insider. Der IWF dränge auf einen Schuldenschnitt der öffentlichen Geldgeber, berichtete die Zeitung.

Berlin dementiert

Ein weiterer Schuldenerlass für Griechenland durch internationale Geldgeber ist nach Darstellung der deutschen Regierung hingegen kein Thema. „Die Frage stellt sich nicht“, sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Martin Kotthaus, heute in Berlin.

Es habe bereits einen beeindruckenden Schuldenschnitt gegeben, und es sei ein umfassendes zweites Hilfsprogramm aufgelegt worden. Die Troika prüfe derzeit die Umsetzung des griechischen Programms. Es sollte nicht jeder Spekulation nachgerannt werden.

Steigt Pensionsalter auf 67?

Die griechische Regierung verständigte sich nach Angaben aus Regierungskreisen im Zuge der Verhandlungen mit den internationalen Kreditgebern darauf, das Pensionseintrittsalter um zwei Jahre auf 67 zu erhöhen.

Das Finanzministerium habe sich mit der Troika aus Europäischer Zentralbank, Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds auf diesen symbolischen Schritt verständigt, hieß es in der Nacht auf heute. Das Sparvolumen der Maßnahme soll als Teil der Reformauflagen 1,1 Milliarden Euro betragen.