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Streifen soll am 1. Oktober in Berlin laufen

Die Stiftung „Cinema for Peace“ will in einem Berliner Kino den islamfeindlichen Mohammed-Film zeigen, der weltweit gewalttätige Proteste von Muslimen ausgelöst hat. Die Stiftung will damit laut eigener Aussage nicht die Empörung schüren, sondern mit der bereits für 1. Oktober geplanten Vorführung genau das Gegenteil davon bewirken.

Die Vorführung im Central-Kino in Berlin-Mitte solle mit einer Diskussion über Meinungsfreiheit und Filme verbunden werden, die Rassismus oder religiös begründeten Hass schürten, teilten die Veranstalter am Mittwoch mit. Es würden auch Auszüge anderer Filme gezeigt, in denen Religionen verhöhnt würden. Es sei nicht neu, dass Hass auf andere Religionen durch einen Film transportiert werde.

Vergleich mit NS-Propaganda

Als Beispiel nannte die Organisation den deutschen antisemitischen Spielfilm „Jud Süß“ von 1940, den Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels in Auftrag gegeben hatte. Ob die Vorführung stattfinden wird, ist allerdings mehr als ungewiss. So ist weiterhin unklar, ob es überhaupt einen kompletten Spielfilm gibt oder nur jene 14 Minuten wirr zusammengeschnittenen Drehmaterials, das im Internet zu finden ist. Auch ist nicht ersichtlich, wie die Veranstalter an eine Kopie davon kommen wollen.

Auch prüft die deutsche Regierung derzeit, ob eine Aufführung des US-Amateurfilms in Deutschland verboten werden kann. Anlass dafür war eine Ankündigung der rechtsextremen deutschen Bürgerbewegung pro Deutschland vom Sonntag letzter Woche, den Film in einem Berliner Kino zeigen zu wollen. Außerdem erklärte die Gruppe, womöglich den islamfeindlichen US-Prediger Terry Jones einzuladen, der mit Verbrennungen von Koranexemplaren für Empörung in der islamischen Welt gesorgt hatte.

Deutschland reagiert mit Einreiseverbot

Das deutsche Innenministerium erließ prompt ein Einreiseverbot für Jones. „Wir wollen keine Hassprediger in Deutschland haben, die zu Gewalt aufrufen und die vor allen Dingen auch andere Religionen, Andersgläubige beleidigen“, sagte Außenminister Guido Westerwelle, der sich für das Einreiseverbot eingesetzt hatte. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich ihrerseits deutlich für ein Verbot des Mohammed-Films aus. Wegen der Pläne der deutschen Rechtspopulisten, den Film zu zeigen, wurde die deutsche Botschaft im Sudan bereits Ziel von Attacken.

Die Botschaft in Khartum soll vorerst geschlossen bleiben, kündigte Westerwelle am Mittwoch in Berlin an. Die Sicherheitsmaßnahmen für andere deutsche Auslandsvertretungen seien erhöht worden. Westerwelle rief zugleich „alle auf, gerade auch solche, die sich auf ihre Meinungsfreiheit zu Recht berufen, auch verantwortlich zu handeln. Nicht der ist der größere Freigeist, der jetzt auch noch absichtlich und mit erkennbarer Wirkung Öl ins Feuer gießen will.“

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