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Geschenke für Obamas Wahlkampfteam

Der republikanische Präsidentschaftswerber Mitt Romney gilt nicht wirklich als blendender Rhetoriker. Oft macht er durch sein Bemühen um möglichst plakative Aussagen alles noch schlimmer - und landet meist mitten im Fettnäpfchen. Für seine Gegner sind die Patzer am laufenden Band regelmäßig Geschenke.

Dass Romney etwa seine etwas mollige Frau uncharmant als „Schwergewicht“ lobt und dabei ihre Bedeutung für sein Leben meint, oder dass Videos, auf denen er grauenerregend falsch die US-Nationalhymne singt, auf Internetportalen für Furore sorgen, fällt dabei weniger ins Gewicht. Bedeutsamer ist schon, dass Romney gerade den Hauptvorwurf gegen ihn - dass er ein herzloser Kapitalist sei - durch seine Pannen zu bestätigen scheint.

Blamagen am laufenden Band

Dass Romney als Firmeninvestor sein Geld gemacht hat und dabei auch viele Jobkürzungen zu verantworten hatte, hängt ihm bis heute nach. Trotzdem kam er etwa auf die Idee, eine Wahlkampfansprache im US-Bundesstaat Wisconsin mit einer „lustigen Geschichte“ über seinen Vater George Romney zu eröffnen, in der es darum ging, dass der Autotycoon eine Fabrik im US-Bundesstaat Michigan schließen ließ, um sie mit mehr Profit in Wisconsin wiederzueröffnen.

Kurz zuvor hatte Romney zu erklären versucht, warum er gegen die staatlichen Gesundheitsvorsorgepläne von US-Präsident Barack Obama sei. Er wollte wohl sagen, dass sich nur bei privaten Gesundheitsvorsorgemodellen jeder Bürger auch von ineffizienten Anbietern trennen könne. Tatsächlich sagte er: „Ich liebe es, Leute feuern zu können, die mir unterstehen." Obamas Wahlkampfteam brauchte über den Kurznachrichtendienst Twitter nur "!!!“ hinzuzufügen, und schon war die nächste Blamage perfekt.

„Meine Frau hat ein paar Cadillacs“

Die Liste lässt sich beliebig lange fortsetzen. Als Romney etwa in der krisengeschüttelten Autostadt Detroit zu Gast war, wollte er Verbundenheit mit den klassischen US-Automarken signalisieren. Ihm fiel dazu aber kein besserer Weg ein, als vor Heerscharen von verarmten Arbeitslosen zu sagen: „Meine Frau hat ein paar Cadillacs.“ Um die prompt entstandene Aufregung zu beruhigen, präzisierte er später: Es gehe um „nur“ zwei Cadillacs in der „Autosammlung“.

Fast sieht es danach aus, als steige Romneys Pannendichte umso mehr, je leutseliger er sich geben will. Als er im Februar beim NASCAR-Daytona-500-Autorennen zu Gast war und damit nach Vorstellung seiner Wahlkampfmanager wohl Verbundenheit zum „kleinen Mann“ demonstrieren sollte, gestand er ein, dass er nicht sonderlich viel von Autorennen verstehe. Umso begeisterter verwies er aber darauf, er habe „ein paar gute Freunde, denen NASCAR-Teams gehören“.

„Ich bin selten mit Absicht lustig“

Die Demokraten haben entsprechend leichtes Spiel. Schon im Präsidentschaftsrennen 2008 stellte Romneys demokratischer Herausforderer Mike Huckabee sarkastisch fest, dass „Romney irgendwie an den Typen erinnert, der Dich gefeuert hat“. Politbeobachter Charles Franklin sagte wiederum gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, Romneys Pannen seien „unbeabsichtigte Momente der Wahrheit“ und zeigten lediglich „die wahre Natur von Romney. Das ist, was er ist.“

Momente der Selbsterkenntnis und Vorsicht sind selten. Als er sich etwa auf dem Weg zu einem Auftritt bei Late-Night-Comedian Jay Leno befand, sagte er, seine Berater hätten ihm geraten: „Versuche nicht, lustig zu sein. Antworte einfach geradeheraus auf Fragen.“ Diesem Ratschlag fügte Romney die Selbsteinschätzung hinzu: „Ich bin selten mit Absicht lustig.“ Der Auftritt bei Leno verlief schließlich recht gezwungen, aber ohne gröbere Schnitzer.

Kleinigkeiten und bedenkliche Missgriffe

Dafür griff Romney auch in den Wochen und Monaten danach wieder tief ins Fettnäpfchen: Bei seinem sommerlichen Besuch in der Olympiastadt London bekrittelte er schon vorab die - letztlich allseits gelobte - Organisation der Spiele. In einer Beileidsbekundung nach der Schießerei in einem Sikh-Tempel Mitte August verwechselte Romney das Wort „Sikh“ mit „Sheik“ (Scheich). Und den Vizepräsidentschaftskandidaten Paul Ryan stellte er auf dem entscheidenden Republikaner-Parteitag als „nächsten Präsidenten der USA“ vor.

Es geht aber nicht nur um Kleinigkeiten. Bedenklich war etwa sein Auftritt in Israel, mit dem er jüdische Wählerstimmen in den USA sammeln wollte. Das gelang durch seine Unbeholfenheit kaum - übrig blieb lediglich der Eindruck haarsträubender Ignoranz im Hinblick auf die Nahost-Problematik. Ebenso traf er den falschen Ton, als er angesichts der jüngsten Ausschreitungen wegen eines islamfeindlichen US-Videos kein Wort des Bedauerns über die US-Opfer von Ausschreitungen fand, sondern darin nur einen Fehler von US-Präsident Barack Obama sah.

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