Inselstreit: China für friedliche Lösung, droht aber

In dem Streit mit Japan um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer sucht China nach eigenen Angaben eine friedliche Lösung, hält seinen Anspruch auf das Seegebiet aber für unstrittig. „Wir behalten uns das Recht auf weitere Schritte vor, hoffen aber, dass diese Frage auf friedlichem Wege und durch Verhandlungen angemessen gelöst wird“, sagte Verteidigungsminister Liang Guanglie heute nach einem Gespräch mit seinem amerikanischen Amtskollegen Leon Panetta in Peking.

Die Inseln gehörten zu China, was rechtlich und historisch bewiesen sei. Für das neue Aufflammen der Spannungen sei allein die japanische Regierung verantwortlich. Für Wirbel sorgte insbesondere der Aufenthalt von zwei Japanern auf einer der unbewohnten Inseln im südchinesischen Meer. Das chinesische Außenministerium sprach von einem provokativen Akt und behielt sich weitere Schritte vor.

Chinesische Schiffe unterwegs

In dem Streit schickte China nach japanischen Angaben elf Schiffe vor den umstrittenen Archipel. Zehn chinesische Patrouillenboote nahe der Insel Uotsurijima seien heute gesichtet worden, sagte ein Sprecher der Küstenwache der Nachrichtenagentur AFP. Diese drangen demnach nicht in japanische Hoheitsgewässer ein, erreichten aber die daran grenzende Anschlusszone. Zuvor habe ein Fischerei-Kontrollboot aus China zum wiederholten Mal die Anschlusszone befahren.

Berichten zufolge ist eine Flotte Hunderter chinesischer Fischerboote zum Beginn der neuen Fangsaison in das Seegebiet aufgebrochen. Chinas Küstenwache will die Fischer beschützen. Zwischenfälle wurden bisher nicht bekannt.

Die unbewohnten Felseninseln sind seit Jahrzehnten zwischen beiden Nachbarländern umstritten. In dem Seegebiet gibt es reiche Fischgründe sowie Öl- und Gasvorkommen. Wegen des Streits um die Inseln ist es in China in zahlreichen Städten zu Protesten gekommen.

Proteste vor japanischer Botschaft in Peking

Zehntausende nahmen auch heute an anti-japanischen Demonstrationen in zahlreichen chinesischen Städten teil. Ein Großaufgebot an Polizei und paramilitärischen Kräften sicherte die meist gut organisierten Protestzüge. Anlass der neuen Massenaufmärsche ist der historisch heikle Jahrestag des Mukden-Zwischenfalls am 18. September 1931, den die kaiserlich japanische Armee damals als Vorwand für ihre Invasion in Nordostchina genommen hatte.

Neuerliche Demonstrationen gab es in Peking vor der japanischen Botschaft sowie im ganzen Land verteilt in Städten wie Guangzhou, Changsha, Chongqing, Wenzhou, Harbin und Shenyang. Die Demonstranten protestierten wie bereits am Wochenende gegen den Kauf von Inseln im Ostchinesischen Meer durch die japanische Regierung.

Japanische Konzerne stoppen Produktion

Große japanische Konzerne schlossen aus Sicherheitsgründen ihre Fabriken in China. Elektronikhersteller wie Sony, Mitsubishi Electric sowie Autofabriken von Honda, Toyota, Suzuki oder Nissan schickten ihre chinesischen Arbeiter vorerst für zwei Tage nach Hause.