Vizepremier: Spanien prüft Rettungsbedingungen

Die spanische Regierung prüft nach den Worten der stellvertretenden Ministerpräsidentin Soraya Saenz de Santamaria die Bedingungen für ein mögliches Rettungsprogramm der Europäischen Union. Europa müsse die Reformen und die Opfer ihres Landes anerkennen, sagte die Politikerin heute in einem Fernsehinterview. Es müsse genau abgewägt werden, was das Beste für die Gesamtheit der Spanier sei. „Europa muss die Opfer anerkennen, die wir Spanier erbringen.“

Der Opposition der Sozialisten (PSOE) sprach sich dagegen aus, dass Spanien erneut unter den EU-Rettungsschirm schlüpft. Dies würde dem Ansehen der „Marke Spanien“ Schaden zufügen, sagte PSOE-Parteichef Alfredo Perez Rubalcaba.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia hatte Madrid davor gewarnt, sich mit einer Entscheidung zu viel Zeit zu lassen. „Die Ungewissheit bedeutet ein Risiko“, betonte der Vizepräsident der EU-Kommission nach Angaben der Zeitung „El País“ und fügte hinzu: „Sie kann dazu führen, dass die Spannungen auf den Anleihemärkten wieder zunehmen.“

„Faule Kredite“ auf neuem Rekordniveau

Der Umfang der „faulen Kredite“ in den Bilanzen der spanischen Banken erreichte ein neues Rekordniveau. Wie die Madrider Zentralbank heute mitteilte, stieg der Anteil der nicht bedienten Kredite im Juli auf 9,86 Prozent, das waren 0,44 Prozentpunkte mehr als im Vormonat. Im Juli 2011 hatte die Säumnisrate bei 6,93 Prozent gelegen.

Die faulen Kredite erreichten nach Angaben der Notenbank im Juli ein Rekordvolumen von knapp 170 Mrd. Euro, 45 Mrd. mehr als ein Jahr zuvor. Ihr Umfang steigt seit mehr als einem Jahr kontinuierlich an. Die bedrohliche Tendenz wird vor allem auf die hohe Arbeitslosigkeit zurückgeführt, die dazu führt, dass immer mehr Spanier ihre Kredite nicht zurückzahlen können.

Spanien besorgt sich günstiger frisches Geld

Eine positive Nachricht gab es vom Anleihenmarkt. Spanien besorgte sich heute günstiger frisches Geld von Investoren. Bei einer Auktion zweier Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von zwölf und 18 Monaten gaben die zu zahlenden Renditen nach, wie aus Zahlen der nationalen Notenbank hervorgeht. Die Nachfrage blieb hoch. Dementsprechend konnte der spanische Staat mit 4,6 Milliarden Euro sogar etwas mehr Geld aufnehmen als eigentlich geplant war.

Für zwölfmonatige Papiere musste Spanien eine durchschnittliche Rendite von 2,835 Prozent bieten, für 18-monatige Schuldtitel 3,072 Prozent. Das waren 0,235 beziehungsweise 0,263 Prozentpunkte weniger als bei vergleichbaren Versteigerungen im August.