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Polen stoppt Einfuhr von Spirituosen

Nach dem Tod von mindestens 20 Menschen durch gepanschten Alkohol hat die tschechische Regierung landesweite Razzien angeordnet. Seit Freitagabend kontrollierten Polizeibeamte mehr als 19.000 Kneipen, Restaurants und Geschäfte, wie Polizeichef Tomas Hulan sagte.

An 14 Verkaufsstellen seien größere Mengen verdächtigen Alkohols beschlagnahmt worden, sagte der Polizeichef. 13 Verdächtige wurden demnach festgenommen. Der Verdacht, organisierte Banden könnten hinter dem gepanschten Alkohol stecken, bestätigte sich hingegen bisher nicht, wie der Vizechef der Polizei, Vaclav Kucera, der Tageszeitung „Lidove Noviny“ sagte: „Wir haben bisher keine Beweise, dass die Produktion breiter organisiert ist.“ Zuvor hatte die Regierung den Verkauf hochprozentiger Getränke vollständig verboten.

Auch Polen verbot am Sonntag den Verkauf hochprozentigen Alkohols aus Tschechien im Groß- und Einzelhandel. Nur Wein und Bier aus dem Nachbarland durfte zunächst weiter angeboten werden.

Mehrere Opfer erblindet

Mit dem Tod eines 63-jährigen Mannes im besonders betroffenen Nordosten stieg die Zahl der Opfer auf 20. Mehrere Opfer erblindeten, andere mussten ins künstliche Koma versetzt werden. Nach Behördenangaben hatten die meisten Opfer der Vergiftungswelle hochprozentigen Alkohol wie Wodka oder einheimischen Rum in Restaurants oder Geschäften gekauft.

Ein Polizist kontrolliert eine Bar

Reuters/Petr Josek Snr

Ein Polizist bei der Alkoholkontrolle in einem Lokal

Am Freitagabend verbot das tschechische Gesundheitsministerium den Verkauf von Getränken mit einem Alkoholgehalt von mehr als 20 Prozent bis auf Weiteres. Bereits am Mittwoch war der Verkauf von Schnaps mit mehr als 30 Prozent Alkohol untersagt worden. Laden- und Restaurantbesitzern, die gegen das Verkaufsverbot verstoßen, drohen Geldbußen von bis zu umgerechnet 123.000 Euro. Das Verbot könne „mehrere Wochen“ in Kraft bleiben, sagte Gesundheitsminister Leos Heger.

Blühender Schwarzmarkt

Bisher ist die Quelle des Methanols noch völlig unklar. Die Suche läuft auf Hochtouren. In mehr als der Hälfte der untersuchten Stichproben fand die Feuerwehr erhöhte Methanolwerte. Das farblose Methanol ist die einfachste chemische Verbindung aus der Reihe der Alkohole. Es ist im Gegensatz zum trinkbaren Ethanol giftig. Schon das Einatmen kann gefährlich sein. Es dient auch als Lösungsmittel oder Treibstoff.

Polizei vor verdächtiger Alkoholfabrik

APA/EPA

Die tschechischen Behörden verschärften die Kontrollen und Razzien

Der Schwarzmarkt mit hochprozentigem Alkohol in Tschechien boomt - von mobilen Verkaufsständen bis zu den 24-Stunden-Geschäften. Der so verkaufte Alkohol wird nicht mehr gebrannt, sondern chemisch gemischt. Der Prager Experte Karel Melzoch vermutete zuletzt im dpa-Interview, dass es bei der illegalen Produktion von Schwarzmarktalkohol nun zu einem Fehler gekommen sei und dadurch das Methanol in den Trinkalkohol gelangt sei.

Aber auch der finanzielle Aspekt dürfte eine Rolle spielen. Inklusive Steuern kostet ein Liter reiner Alkohol in Tschechien 12,50 Euro. Methanol liegt mit 24 bis 40 Cent im Einkaufspreis deutlich darunter. Seit 1999 hat sich laut dpa der Import von Methanol bereits verdreifacht.

Ethanol als Gegengift

Selbst wenn man nur einen Milliliter Methanol trinkt, kann das zu einer Vergiftung führen. Viele der Opfer sind nicht bei Bewusstsein, klagen über Schwindel, verminderte Sehkraft und drohen zu erblinden. Wer die Symptome zunächst als Kater deutet und zu spät ins Krankenhaus fährt, kann völlig erblinden oder an Atemlähmung sterben. Als Gegengift wird den Patienten Ethanol verabreicht. Dadurch soll der Stoffwechsel im Körper blockiert und die schädliche Umwandlung des Methanols zu ätzender Ameisensäure verhindert werden.

Die Tschechen liegen beim Alkoholkonsum im weltweiten Vergleich an der Spitze. Sie trinken das meiste Bier pro Kopf. Beim generellen Alkoholkonsum pro Kopf sind sie laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach Moldawien auf Platz zwei.

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