Erneut anti-japanische Demonstrationen in China

In China haben anlässlich des Streits um eine Inselgruppe erneut Hunderte Menschen gegen Japan protestiert. Vor der japanischen Botschaft in Peking kamen heute Hunderte Menschen zusammen. Die Menge skandierte anti-japanische Parolen, sang die chinesische Nationalhymne und bewarf die diplomatische Vertretung mit Wasserflaschen. Die Polizei sperrte die Gegend um die Botschaft ab.

Video dazu in iptv.ORF.at

In der Wirtschaftsmetropole Schanghai protestierten rund 200 Menschen vor dem japanischen Generalkonsulat. Am Samstag hatten Chinesen in rund 50 Städten landesweit gegen Japan demonstriert. Medienberichten zufolge gab es Übergriffe auf japanische Geschäfte und Restaurants.

„Große Enttäuschung“

Japans Ministerpräsident Yoshihiko Noda rief die Volksrepublik angesichts der Lage auf, die Sicherheit der Bürger seines Landes zu garantieren. „Die Situation ist eine große Enttäuschung für uns, und deshalb protestieren wir“, sagte Noda im japanischen Fernsehen.

„Gebt uns unsere Inseln zurück! Raus mit den japanischen Teufeln!“, skandierten die Demonstranten am Samstag in Peking. Einer hielt ein Schild hoch mit der Aufschrift „Wir müssen für die Ehre des Mutterlandes Japan den Krieg erklären“.

Ein Wanderarbeiter aus Guangxi erklärte: „Wir hassen Japan. Wir haben Japan schon immer gehasst. Japan hat China überfallen und hat viele Chinesen getötet. Wir werden das niemals vergessen.“ Bei der japanischen Besetzung Chinas im Zweiten Weltkrieg waren Millionen Chinesen getötet worden.

Große strategische Bedeutung

Die umstrittene Inselgruppe, die in China Diaoyu und in Japan Senkaku heißt, liegt rund 200 Kilometer von Taiwan und rund 2.000 Kilometer von Tokio entfernt. Vier der fünf Inseln sind bisher in japanischem Privatbesitz, eine gehört der Stadt Tokio.

Die japanische Regierung beschloss kürzlich den Kauf von drei Inseln. Die Inselgruppe ist strategisch von großer Bedeutung, zudem werden auf dem Meeresboden Öl- und Gasvorkommen vermutet.