Minenstreiks in Südafrika: Regierung will hart vorgehen

Die südafrikanische Regierung will die wilden Streiks in den Minen des Landes nicht länger hinnehmen. Justizminister Jeff Radebe kündigte gestern an, dass Polizei und Justiz künftig gegen illegale Versammlungen, Waffenbesitz und Aufrufe zu Gewalt hart vorgehen würden. Die Arbeiter der bestreikten Platinmine im südafrikanischen Marikana lehnten unterdessen ein Angebot des Betreibers über höhere Löhne ab.

Soziale Unruhen ausgeweitet

Sicherheitskräfte würden „nicht zögern“, diejenigen festzunehmen, die gegen entsprechende Gesetze verstießen, sagte Radebe. In den vergangenen Wochen hatten sich die sozialen Unruhen in und um die südafrikanischen Bergwerke im „Platingürtel“ rund um Rustenberg ausgeweitet. Am Mittwoch errichteten mehrere hundert Arbeiter Barrikaden auf Zugängen zum Platinbergwerk des Konzerns Anglo American Platinum (Amplats), des weltweit größten Platinproduzenten. Amplats schloss daraufhin vorübergehend fünf weitere Minen bei Rustenberg.

Lohnerhöhungen als „Beleidigung“ abgelehnt

Zugänge zur benachbarten Marikana-Mine, wo Polizisten am 16. August 34 streikende Arbeiter erschossen, waren ebenfalls blockiert. Verhandlungen über Lohnerhöhungen für die Marikana-Arbeiter blieben heute erfolglos. Der britische Betreiber hatte den Arbeitern nach Verhandlungen gestern ein Angebot unterbreitet.

Ein Vertreter der Arbeiter, Molisi Phele, wies das Angebot nach Beratungen jedoch als „Beleidigung“ zurück. Statt ihrer Forderung nach einem Mindestlohn von 12.500 Rand (1.200 Euro) zu entsprechen, habe Lonmin ein stufenweise ansteigendes Einstiegsgehalt von 986 Rand geboten.

34 Menschen erschossen

Lonmin hat rund 28.000 Angestellte. Bisher verdienen sie nach eigenen Angaben monatlich durchschnittlich 4.000 Rand (etwa 374 Euro). Die Platinmine war in den vergangenen Wochen Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen. Am 16. August hatten Polizisten am Rande der Mine das Feuer auf streikende Arbeiter eröffnet und 34 Menschen erschossen.

Es war der blutigste Polizeieinsatz in Südafrika seit dem Ende des Apartheid-Regimes 1994. Bereits einige Tage zuvor hatte es bei gewaltsamen Auseinandersetzungen an der Mine zehn Tote gegeben, darunter zwei Polizisten. Vor einigen Tagen wurde eine weitere Leiche auf dem Gelände entdeckt.