Roma-Lager in Pariser Vorort und Lyon geräumt

Trotz anhaltender Kritik aus dem Ausland haben französische Behörden die Unterkünfte von rund 800 Roma in Sucy-en-Brie südöstlich von Paris geräumt. Gleichzeitig vertrieb die Polizei gestern vor dem anstehenden Besuch des Innenministers Manuel Valls 80 Roma aus dem Stadtzentrum von Lyon, wie der Präfekt der Region mitteilte. Die Räumung der Lager gehört zu einer großangelegten Regierungsaktion, durch die schätzungsweise 15.000 Roma aus ganz Frankreich zur Rückkehr in ihre Heimatländer bewegt werden sollen.

Platz für Bau einer Autobahn

Das Lager von Sucy-en-Brie soll eines der größten in Frankreich gewesen sein. Seit Oktober 2011 suchten immer mehr Roma Zuflucht in dem südöstlichen Vorort von Paris, nachdem die Behörden sie aus anderen Camps vertrieben hatten. Die Regierung beansprucht den Platz, dessen Räumung von einem Gericht angeordnet wurde, für den Ausbau einer Autobahn. Laut den Behörden lief die Aktion in Lyon „friedlich“ ab, Asylsuchenden würden Ersatzunterkünfte angeboten.

Vals: „Können nicht all das Elend“ aufnehmen

In Frankreich wird derzeit heftig über die Politik gegenüber den Angehörigen der Minderheit der Roma diskutiert, die zumeist aus Rumänien und Bulgarien kommen. Der neue sozialistische Innenminister Valls war diese Woche nach Rumänien gereist, um in der Debatte auf die dortige Regierung Druck zu machen. Frankreich könne nicht „all das Elend der Welt und aus Europa“ bei sich aufnehmen. Die EU-Kommission stellte die französische Politik gegenüber der Minderheit Anfang August erneut unter Beobachtung.