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Kirche, Synagoge, Moschee

Einst war der Berliner Petriplatz mit der dazugehörigen Kirche der zentrale Platz der mittelalterlichen Stadt Cölln bei Berlin. Heute „wird er im Wesentlichen als Parkplatz genutzt“, wie es im Wikipedia-Eintrag dazu heißt. Das soll sich nun ändern: Auf dem Gelände wird ein Sakralbau geplant, der Christen, Juden und Muslimen gleichermaßen als Ort des Gebets und der Begegnung dienen soll.

Die evangelische Kirchengemeinde Sankt Petri/Sankt Marien in Berlin-Mitte, die Jüdische Gemeinde zu Berlin, das Abraham Geiger Kolleg, das muslimische Forum für Interkulturellen Dialog Berlin und das Bundesland Berlin gründeten einen Trägerverein, um so das erste interreligiöse Gebetshaus der deutschen Hauptstadt zu erbauen. Man wolle „Unterschiede und theologische Grundsätze nicht überspielen“, sondern vielmehr „aushalten“, heißt es in der Charta des Vereins. „Unvermischt (in getrennten Bereichen) und zugleich im direktem Miteinander“ will man künftig beten.

Vier Jahre nach den ersten Überlegungen liegt nun ein Baukonzept vor, das eine Jury aus 38 Einreichungen eines international ausgeschriebenen Architekturwettbewerbs ermittelt hat. Dem Preisgericht unter Vorsitz des renommierten Architekten Hans Kollhoff (Zürich) gehörten unter anderen Berlins Kulturstaatssekretär Andre Schmitz und Senatsbaudirektorin Regina Lüscher sowie Vertreter der drei Religionen an. Die Entscheidung der Jury fiel einstimmig - auf den Entwurf des Berliner Büros Kuehn Malvezzi.

„Mit Abstand souveränste Arbeit“

Man habe sich für die „mit Abstand souveränste Arbeit, die ein komplexes Raumprogramm und eine schwierige städtebauliche Situation mit einer sehr einfachen Bauform gelöst habe“, begründete Kollhoff die Entscheidung. „Sie wird den funktionalen Aspekten gerecht, schafft sehr schöne Innenräume und steht ganz selbstverständlich im Stadtraum - durchaus mit einem gewissen Stolz, der diesem Ort guttut.“

Die Anforderungen an die Entwürfe waren seitens des Trägervereins klar definiert. So soll das Bet- und Lehrhaus nicht nur für jede Religion ihren eigenen abgeschlossenen Sakralbereich erhalten, sondern mit einem zentralen Raum einen Ort der Begegnung schaffen. Geht es nach dem Verein, sollte dieser derart angelegt werden, dass er in einer „beiläufigen Unumgänglichkeit Begegnungen“ zwischen den Gläubigen der unterschiedlichen Religionen ermöglicht.

150 Quadratmeter pro Glaubensgemeinschaft

Auf jeweils 150 Quadratmetern sollen die Räumlichkeiten von Juden, Christen und Muslimen entstehen, die den jeweiligen Anforderungen der Religion entsprechen - etwa Waschbereiche für Damen und Herren der muslimischen Gemeinde, Räume für Rabbiner im Bereich der Synagoge und eine Sakristei als Teil der evangelischen Kirche.

Von außen scheint das von Kuehn Milvezzi geplante Gebäude eine „lichte Trutzburg“, so die „SZ“. Mit einer Höhe von 44 Metern ist der geplante Mittelturm nicht einmal halb so hoch wie der Trum der neogotischen Petrikirche des 19. Jahrhunderts, die im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1964 von der DDR-Regierung abgerissen wurde. Dennoch würde er die Gebäude der Umgebung deutlich überragen.

Blick auf die Fundamente

Das Innere wird beherrscht von schlichten geometrischen Formen. Ein doppelgeschoßiger Kuppelsaal dient als gemeinsamer Lehrraum, von hier gelangt man zu den jeweiligen Sakralräumen und der Stadtloggia mit Blick über die Dächer Berlins. Ein archäologisches Fenster erlaubt einen Ausblick auf die archäologischen Reste der Stadtgeschichte - die Fundamente der Petrikirche.

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