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Bewusst falsche Spuren gelegt

Bisher hatte man geglaubt, ein US-israelischer Immobilienmakler namens Sam Bacile sei die treibende Kraft hinter jenem Amateurvideo gewesen, das mit einer antiislamischen Verballhornung der historischen Mohammed-Figur innerhalb weniger Tage zu Attacken gegen US-Einrichtungen in mehreren muslimischen Ländern mit mehreren Toten geführt hat. Doch Sam Bacile existiert nicht.

Der Fall des Films, der über das Internet Verbreitung fand, wird damit immer mysteriöser. Laut Angaben aus US-Polizeikreisen wurde er tatsächlich einmal im Frühsommer in einem kalifornischen Kino gezeigt, vor einem Dutzend unbekannter Zuschauer. Im Juli wurden 14 Minuten davon von einem „sam bacile“ im Internetportal YouTube hochgeladen. Es ist nicht einmal klar, ob dieser Clip der Film ist oder nur ein Trailer davon.

Interviews mit absichtlich falschem Akzent

Der „sam bacile“ des YouTube-Kontos müsste laut eigenen Angaben 75 Jahre alt sein. Jener Mann, der nach dem Aufflammen der Proteste als Sam Bacile mehreren Medien Interviews gab, gab sein Alter manchmal mit 52, manchmal mit 55 an. Auch sprach er in den Interviews mit verschiedenen, offensichtlich imitierten Akzenten, um falsche Fährten zu legen. Einen jüdischen Hintergrund hat der Mann entgegen seinen eigenen Angaben nicht, wie auch Steve Klein, der Prokurist des Filmprojekts bestätigt.

Klein konnte als Prokurist des Projekts seine wahre Identität nicht verbergen, da er sie etwa beim Anmieten von Studios und Castingaufrufen angeben musste. Den wahren Namen seines Regisseurs will Klein nach eigenen Angaben nicht kennen. Klein seinerseits ist wegen antiislamischer Hetze in den USA bereits amtsbekannt. Sein Hintergrund ist jedoch rechtsextrem-evangelikalisch, wie die US-Nachrichtenplattform Daily Beast nachwies.

Spur zu US-Bürger mit zweifelhafter Vergangenheit

Möglicherweise handelt es sich bei dem Regisseur in Wahrheit um den US-Bürger Nakoula Basseley Nakoula, der einen ägyptisch-koptischen Hintergrund hat: Sämtliche Rückverfolgungen von Telefonnummern und anderen Kontakten führen zu ihm. Nakoula erklärte allerdings, er sei nicht Bacile, sondern nur ein Kontaktmann. Wie die Nachrichtenagentur AP recherchierte, bediente sich Nakoula - der sich auch schon zahlreiche Vermögensdelikte im Bereich Bankbetrug zuschulden kommen hat lassen - des Pseudonyms Bacile in der Vergangenheit schon öfter.

Das Haus von Nakoula im Ort Cerritos rund 40 Kilometer südlich von Los Angeles stand am Donnerstag auf jeden Fall unter Bewachung der Polizei. Zudem wird das Haus seit Tagen von Journalisten umringt.

Offenbar handelt es sich bei den Verantwortlichen um ein Sammelsurium an rechtsgerichteten Christen, Exilarabern und anderen Menschen, die lediglich der Islamhass verbindet. Klein erklärte für das Kollektiv, man fühle sich für die muslimischen Proteste und die gewaltsamen Eskalationen davon nicht verantwortlich. Bis auf Klein hat sich keiner der Beteiligten aus der Deckung gewagt. Umso verbitterter reagierten die Darsteller des Films, die sich schwerlich verstecken können und die nun zum Teil um ihr Leben fürchten.

Auch Darsteller getäuscht?

Offenbar wurden die Darsteller selbst getäuscht. Im Castingaufruf für den Film war von einem „historisches Wüstendrama“ die Rede, das den Titel „Wüstenkrieger“ tragen werde. Der Name des Regisseurs wurde mit „Alan Roberts“ angegeben, die Rolle des Mohammed als „George“ ausgewiesen. Wie alle Schauspieler einhellig angaben, sprachen sie bei den Dreharbeiten völlig andere Dialoge als die nun im Film hörbaren. Das Video ist tatsächlich zum größten Teil - und speziell in den antiislamischen Passagen - eindeutig nachsynchronisiert.

Darsteller und Mitarbeiter des Films erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN, sie seien hintergangen worden, seien empört und fühlten sich "ausgenützt. „Wir stehen zu 100 Prozent nicht hinter diesem Film und sind von seinem Sinn und Zweck abgestoßen. Wir sind schockiert von den drastischen Änderungen am Originaldrehbuch und den Lügen, die uns allen erzählt wurden. Wir sind zutiefst betrübt über die Tragödien, die sich ereignet haben.“

Vor Premiere von Polizei kontrolliert

Eine Gelegenheit, „Sam Bacile“ zu fassen, hatte die Polizei jedenfalls: Sie beobachtete vorsichtshalber die Premiere des Films im Frühsommer nach einem Tipp, dass dort irgendein antiislamischer Film gezeigt werde. Aufgefallen soll den Beamten damals aber vor allem ein Mann im Alter von 45 bis 50 sein, der nervös und schwitzend den Kinoeingang beobachtete. Die Beamten verloren aber das Interesse an ihm, als er sich als Sam Bacile, der Regisseur des Films, vorstellte und seine Nervosität mit der bevorstehenden Premiere seines Streifens erklärte.

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