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„Es ist kein religiöser Film“

Hinter den Angriffen auf US-Vertretungen in Ägypten und Libyen steht ein obskurer Amateurfilm, der sich in beleidigender Weise über den muslimischen Propheten Mohammed lustig macht. Produziert hat ihn ein angeblicher US-Immobilienmakler mit israelischen Wurzeln. Der Film hätte aber wohl nie die nun fatale Öffentlichkeit bekommen, hätten nicht auch andere antiislamische Kräfte dafür gesorgt.

Bereits Anfang Juli wurde eine 14-minütige Vorschau des Films „Innocence of Muslims“ („Unschuld der Muslime“) auf dem Videoportal YouTube online gestellt. In dem Zusammenschnitt wird Mohammed als Frauenheld, Kinderschänder und Mörder dargestellt und als „Bastard“ beschimpft. In einer ebenfalls veröffentlichten Szene nennt Mohammed einen Esel „das erste muslimische Tier“ und fragt ihn, ob er „Mädchen mag“. Der Projektverantwortliche, unter dem Namen Sam Bacile bekannt, machte auch in Interviews aus seiner Gesinnung kein Hehl.

„Lachhaftes Machwerk“

Bacile, ein 52-jähriger Entwickler von Immobilienprojekten aus Kalifornien, bezeichnete den Islam im „Wall Street Journal“ am Dienstagabend (Ortszeit) als „Krebs“. Bacile sagte dem „Wall Street Journal“, er habe den zweistündigen Film im vergangenen Jahr in Kalifornien gedreht. Rund 60 Schauspieler und eine 45 Mann starke Crew seien an dem dreimonatigen Projekt beteiligt gewesen. „Der Film ist ein politischer Film. Es ist kein religiöser Film“, sagte er der Zeitung.

Spekulation über Identität, Aufenthaltsort unklar

Über die Identität des Filmemachers entbrannten unterdessen wilde Spekulationen. Ein Beteiligter an dem Filmprojekt sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, Sam Bacile sei gar nicht der richtige Name des Regisseurs. Auch war inzwischen unklar, ob es sich tatsächlich um einen US-Bürger israelischer Abstammung handelt.

Der Filmemacher sei untergetaucht, sagte Steve Klein, der nach eigenen Angaben an dem Film mitgearbeitet hat. Klein erklärte, er kenne den richtigen Namen des Mannes auch nicht. Dem Regisseur, der sich ihm gegenüber ebenfalls unter dem Pseudonym Sam Bacile vorgestellt habe, drohe das gleiche Schicksal wie dem niederländischen Filmemacher Theo Van Gogh, der 2004 wegen eines islamkritischen Films ermordet worden war. „Wenn er seine Identität preisgibt, wird er sicher ermordet“, sagte Klein.

Rund einhundert Spender?

Die Produktionskosten von angeblich fünf Millionen Dollar (3,91 Mio. Euro) will Bacile von rund einhundert jüdischen Spendern eingesammelt haben. Ob diese Angaben stimmen, konnte nicht überprüft werden. Die wenigen, die den Film bis jetzt gesehen hatten - etwa ein Mitarbeiter des US-Magazins „The Atlantic“ -, sprachen von einem lachhaften Machwerk, in dem sich schlechte Amateurdarsteller mit New Yorker Akzent um die Darstellung einer islamischen Welt bemühten, die nichts mit der Realität zu tun habe.

Notorischer US-Pastor an Verbreitung beteiligt?

Der „New York Times“ zufolge erhielt der Trailer wenig Aufmerksamkeit, bis in der vergangenen Woche eine ins Arabische übersetzte Version auftauchte. Ein koptischer Christ aus Ägypten, der in den USA lebt und im Internet mit verbalen Breitseiten gegen Muslime aufgefallen sei, habe das Video in seinem Blog veröffentlicht. Schließlich griffen Zeitungen und das Fernsehen in Ägypten das Thema auf. Zunächst hieß es dabei fälschlicherweise, der Film sei von Kopten aus den USA produziert worden.

In Zusammenhang mit dem Video taucht ein weiterer Name auf, der mit islamfeindlichen Tendenzen in den USA in Verbindung gebracht wird: Pastor Terry Jones aus Florida. Jones hatte im Frühjahr 2011 mit der Verbrennung von Koranexemplaren blutige Proteste in der islamischen Welt ausgelöst. Der evangelikale Pastor erklärte laut US-Medien, Ausschnitte des Films in seiner Kirche zeigen zu wollen. Der Film zeige „in satirischer Weise“ das Leben Mohammeds und mache die „destruktive Ideologie des Islam“ deutlich.

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