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Keine Notausgänge, Fenster versperrt

Dienstagabend ist ein Brand in einer Textilfabrik im südpakistanischen Karachi ausgebrochen. Die Opferzahlen stiegen stetig, schließlich wurden laut Polizei bereits mindestens 258 Tote aus der Fabrik geborgen. Erst kurz zuvor war von rund 190 Toten die Rede gewesen. In den völlig ausgebrannten Kellerräumen des dreistöckigen Gebäudes wurden weitere Leichen gefunden.

Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums der Provinz Sindh sprach bereits von „dem verheerendsten Brand in der Geschichte Karachis“, dem Wirtschaftszentrum des Landes. Zum Zeitpunkt des Feuers waren nach neuen Erkenntnissen bis zu 600 Arbeiter in dem Gebäude.

Feuerwehr vor dem ausgebrannten Fabriksgebäude

Reuters/Akhtar Soomro

Rund 450 Menschen sollen sich vor dem Brand in der Fabrik aufgehalten haben

Nach Angaben der Polizei konnten sich rund mehrere hundert Menschen zum Teil schwer verletzt selbst in Sicherheit bringen. Einige sprangen aus den oberen Stockwerken, nachdem sie die mit Metallgittern versperrten Fenster aufgebrochen hatten. „Die Hitze war so groß, dass wir zu den Fenstern stürmten und die Eisengitter herausrissen“, sagte ein Arbeiter. Mit über 40 Feuerwehrautos wurde versucht, den Brand zu löschen.

Feuer breitete sich in wenigen Minuten aus

Auch am Mittwoch versuchten die Rettungskräfte, sich Zugang zu dem zerstörten Gebäude zu verschaffen, um Opfer zu bergen. Mit speziellen Kranliften sollen mögliche Überlebende durch die Fenster aus den oberen Stockwerken aus dem Gebäude geholt werden. Viele Arbeiter konnten sich aufgrund fehlender Notausgänge aber nicht mehr retten. Insbesondere im Keller starben viele Menschen, als sich die Räume mit Rauch füllten. „All diese Menschen wurden eingeschlossen“, sagte der Polizist Amjad Farooqi. Laut Zeugenaussagen breitete sich das Feuer innerhalb weniger Minuten im gesamten Gebäude aus.

Produktion rund um die Uhr

In der Textilfabrik wurde rund um die Uhr Bekleidung produziert. Wie das Feuer ausbrach, ist noch völlig unklar. Erste Vermutungen weisen in Richtung eines defekten Generators. Textilfabriken sind bei Bränden aufgrund der Chemikalien und der leicht brennenden Stoffe besonders gefährdet.

Das regionale Industrieministerium ordnete gegen den Fabriksbesitzer Ermittlungen wegen Fahrlässigkeit an. Denn es fehlten nicht nur die Notausgänge, sondern auch eine Basissicherheitsausstattung wie Alarmanlagen und Sprinkleranlagen. Die Manager der Fabrik flüchteten und werden nun von der Polizei gesucht.

Zweiter Brand in Lahore

Auch in Lahore starben 25 Arbeiter bei einem Brand in einer illegal errichteten Schuhfabrik. Die meisten erstickten, weil sie das Gebäude nicht mehr rechtzeitig verlassen konnten. Als Ursache dieses Brandes nannten die Behörden einen defekten Stromgenerator. Nach Angaben eines Arbeiters wurden die Chemikalien und der Generator der Fabrik in dem Teil des Gebäudes gelagert, der für die Arbeiter zugleich der einzige Weg ins Freie war.

Schlechte Sicherheitsstandards etwa bei der elektrischen Verkabelung sind in pakistanischen Industriegebäuden häufig zu finden. Oft werden die Anlagen in dicht besiedeltem Gebiet und illegal errichtet, Behörden werden bestochen, um über die fehlenden Sicherheitsstandards hinwegzuschauen, wodurch die Kosten weiter gesenkt werden.

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