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Schmied will „attraktives Dienstrecht“

Die jüngste OECD-Bildungsstudie hat neben Kritik an der geringen Akademikerquote in Österreich einmal mehr eine Schuldebatte ausgelöst. Dass heimische Lehrer - die Lehrkräfte in Volksschulen ausgenommen - viel weniger Zeit in den Klassen verbringen als ihre Kollegen in anderen Ländern, ist Lehrern wie Unterrichtsministerium gleichermaßen ein Dorn im Auge.

Auch darüber, wie das Problem zu lösen wäre, besteht im Prinzip Einigkeit: Die Lehrergewerkschaft wiederholte anlässlich der Studie ihre Forderung nach zusätzlichem Personal zur Entlastung der Lehrer auf dem Feld der Sozialarbeit, Schulpsychologie und Administration. Auch das kann man im Ressort von Ministerin Claudia Schmied (SPÖ) offenbar unterschreiben, wie ihr Sprecher Josef Galley gegenüber ORF.at betonte. Trotzdem spießt es sich - für den Anfang bei der Frage, wer den ersten Schritt tun soll.

Lehrer wollen 14.000 Hilfskräfte

Es geht vor allem ums Geld. Für Galley steht fest: „Zusatzpersonal wird dann finanzierbar sein, wenn die Lehrer länger in der Klasse stehen.“ Lehrergewerkschafter Paul Kimberger hatte zuvor gegenüber der „Presse“ (Mittwoch-Ausgabe) gefordert, zuerst müsse das Ministerium den Nachweis erbringen, dass die Lehrer merkbar entlastet würden. Dann könne man über eine Neuverteilung der Arbeitszeit reden, dabei sei auch „eine höhere Unterrichtsverpflichtung eine Möglichkeit“.

Grafik zur Unterrichtszeit der Lehrer

APA/OECD

Österreichs Lehrer können weniger Zeit mit den Schülern verbringen als Kollegen anderer OECD-Länder

Kimberger, Verhandlungsführer aufseiten der Lehrer bei den Gesprächen mit dem Ministerium, setzte den Bedarf bei 14.000 Spezialisten an. Ähnliche Zahlen hatte die Gewerkschaft bereits im Juni genannt - als man auf eine Einigung noch in diesem Jahr hoffte. Inzwischen ist vom kommenden Frühjahr die Rede. Über Zahlen wollte Galley nicht sprechen und verwies auf einen „Verhandlungsprozess, den wir nicht in den Medien führen“.

Neue Vorsicht im Unterrichtsministerium

Das Unterrichtsministerium agiert diesmal bei dem heiklen Thema merkbar vorsichtiger als Anfang 2009, als Schmied die Lehrer mit einer Anhebung der Arbeitszeit vor vollendete Tatsachen zu stellen versuchte - und nach erbittertem Widerstand schließlich zurückziehen musste - wobei sich Galley auch nun die Bemerkung nicht verkneifen konnte, dass Schmieds damaliger Vorschlag alle Lehrer - und nicht nur die Neueinsteiger - betroffen und so auch mehr Budgetmittel für Zusatzpersonal freigemacht hätte.

Das nun zu verhandelnde neue Lehrerdienstrecht könne demgegenüber nur für neue Lehrer gelten, betonte Galley - mit dementsprechend langsamen Umstellungsprozessen im Schulwesen. Dass man den Lehrern Unterstützungspersonal an die Seite stellen wolle, sieht er etwa durch den Vorstoß bewiesen, Postbedienstete ohne Aufgabe zu administrativen Helfern umzuschulen. Bei Fachkräften wie Schulpsychologen und Sozialarbeitern sind schnelle Lösungen dieser Art aufgrund der nötigen Ausbildung freilich nicht möglich.

Schmieds Ressort verweist auf Fekter

Die Lehrer will Schmieds Sprecher jedenfalls wissen lassen, dass das Ministerium ihnen ein „möglichst attraktives Dienstrecht anbieten will“. Wohl nicht zufällig betont er in diesem Zusammenhang auch, dass die Schulreform ein Projekt der gesamten Regierung sei. Das bedeutet neben der Zuständigkeit von Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) vor allem auch die Mitwirkung von Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) und deren Willen, entsprechende Budgetmittel bereitzustellen.

Zumindest laut der ÖVP-Schülerunion gäbe es allerdings genügend Geld, wenn man neben der geplanten Abschaffung der Bezirksschulräte auch die Landesschulräte kippen würde. Ob damit die ÖVP-Parteifreunde große Freude hätten, sei dahingestellt. Erst im Februar hatte Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) Begehrlichkeiten geäußert, die Schulkompetenzen überhaupt ganz zur Landessache zu machen. Die Schülerunion konstatiert jedenfalls: Jetzt komme das Geld nicht im Klassenzimmer an.

Schlusslicht im EU-Vergleich

Derzeit ist das Zahlenverhältnis von Lehrkräften/Schülern zu Unterstützungspersonal jedenfalls das schlechteste von 17 in einer OECD-Studie untersuchten EU-Ländern. Demnach kommt in Österreichs Hauptschulen und AHS auf je 29 Lehrer eine fachliche Hilfskraft und auf je 25 Lehrer eine administrative Hilfskraft. Im Schnitt der von der OECD untersuchten EU-Länder ist das Verhältnis 16 zu eins beziehungsweise neun zu eins. Analog gelten die Zahlen für Schüler.

70 Prozent der heimischen Lehrer arbeiten demnach an Schulen, wo deren Unterrichtsarbeit durch einen Mangel an unterstützendem Lehrpersonal beeinträchtigt wird (EU-17-Schnitt laut OECD: 47 Prozent); sogar 80 Prozent der Lehrer arbeiten an Schulen, wo deren Unterrichtsarbeit durch einen Mangel an allgemein unterstützendem Personal (Psychologen etc.) beeinträchtigt wird. Zudem betraf die Studie nur Hauptschulen und AHS und nicht Volksschulen, wo die Lage laut der am Dienstag vorgestellten OECD-Studie teils noch prekärer ist.

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