Themenüberblick

Von der Uni bis zum „Taferklassler“

Die am Dienstag veröffentlichte OECD-Studie „Education at a Glance“ (Bildung auf einen Blick) hat in Österreich einen Schwerpunkt auf die geringe Akademikerquote gelegt. Wie immer bietet die jährliche Untersuchung aber einen Gesamtüberblick über das Bildungssystem - von den Unis bis hinunter zu den „Taferlklasslern“. Im Folgenden die Detailergebnisse der Studie in Kurzform:

Akademikerquote: 2010 lag der Anteil der Hochschulabsolventen an der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren in Österreich bei 19 Prozent (OECD-Schnitt: 31 Prozent). Hinter Österreich liegen damit nur die Türkei (13 Prozent), Portugal, Italien (je 15), die Slowakei, Tschechien und Mexiko (je 17). Das Spitzenfeld wird von Kanada (51 Prozent) angeführt.

Ausgaben pro Schüler/Student: In Österreich betrugen diese 2009 von der Volksschule bis zur Hochschule kaufkraftbereinigt pro Kopf durchschnittlich 12.285 Dollar (9.669 Euro) jährlich. Damit lagen sie deutlich über dem OECD-Schnitt von 9.252 Dollar.

Bildungsausgaben: Österreichs Bildungsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung sind im Langzeitvergleich gesunken, in den vergangenen Jahren aber wieder gestiegen. Wurden 1995 noch 6,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Bildung aufgewendet, waren es 2000 und 2005 nur noch 5,5 Prozent. Seitdem steigen die Ausgaben wieder: 2009 waren es 5,9 Prozent des BIP. Verantwortlich für den Rückgang war zunächst vor allem die Schule: Der Anteil für den gesamten Schulbereich sank zwischen 1995 und 2005 von 4,2 Prozent des BIP auf 3,7 Prozent - bis 2009 stieg er wieder auf 3,9 Prozent.

Im Hochschulsektor sanken die Aufwendungen für den Tertiärbereich zwischen 1995 und 2000 von 1,2 auf 1,1 Prozent und lagen 2009 mit 1,4 Prozent über dem Ausgangswert. Der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben wurde seit 1995 in Österreich von 10,8 Prozent auf 11,4 Prozent leicht erhöht. Allerdings liegt Österreich nach wie vor unter dem OECD-Schnitt von 13 Prozent, auch der Anstieg seit 1995 (11,8 Prozent) fiel in der OECD höher aus.

Bildungsmobilität: Die Chancen auf einen Bildungsaufstieg sind in Österreich nur gering. Nur 26 Prozent aller 25- bis 34-jährigen Nichtstudierenden erreichen einen höheren Bildungsstand als ihre Eltern - damit liegt Österreich in der OECD (Schnitt 37 Prozent) an siebentletzter Stelle. Den gleichen Bildungsstand wie die Eltern schaffen in Österreich übrigens 59 Prozent (OECD: 50 Prozent), abwärts geht es für 14 Prozent (OECD: 13 Prozent).

Bildungsstand: Der Anteil von Personen mit mindestens einem Abschluss der Sekundarstufe II (also mindestens Matura bzw. Lehrabschluss) an den 25- bis 64-Jährigen ist seit 1997 in Österreich von 74 Prozent (OECD: 64 Prozent) auf 82 Prozent im Jahr 2010 (OECD: 74 Prozent) gestiegen. Dieser Anstieg geht sowohl in Österreich als auch in den anderern OECD-Ländern auf das Konto der Hochschulen: Während der Anteil der Absolventen der Sekundarstufe II stagniert, stieg jener der Hochschulabsolventen in Österreich von elf (1997) auf 19 Prozent (2010) und in der OECD von 21 auf 30 Prozent.

Bildungsbeteiligung: Der Anteil der Drei- bis Vierjährigen im Bildungssystem liegt in Österreich mit 75,1 Prozent über dem OECD-Schnitt (71,9 Prozent), die Quote der Fünf- bis 14-Jährigen mit 98,4 Prozent ebenfalls (OECD: 95,9 Prozent). Hingegen befindet sich mehr als jeder fünfte 15- bis 19-Jährige nicht in Ausbildung, womit Österreich im OECD-Vergleich im hinteren Viertel platziert ist (Ö: 78,4 Prozent, OECD: 82,9). Ebenfalls leicht unter dem OECD-Schnitt liegt der Anteil der 20- bis 29-Jährigen im Bildungssystem (Ö: 25,2 Prozent, OECD: 27,0).

Beschäftigungschancen: Mit höherem Bildungsstand steigen die Chancen auf einen Job: Die Beschäftigungsquote der 25- bis 64-Jährigen klettert in Österreich vom Sekundarbereich I (Pflichtabschluss) mit 56,1 Prozent über die Sekundarstufe II (v. a. Lehre und Matura) mit 77,9 Prozent auf 85,7 Prozent bei einem Hochschulabschluss. In der OECD sind die Zahlen ähnlich.

Betreuungsverhältnis: Vergleichsweise weniger Schüler als im OECD-Schnitt kommen in der Volksschule und in der Sekundarstufe auf einen Lehrer. Im Primarbereich treffen auf einen Pädagogen 12,2 Schüler (OECD: 15,9), in der Sekundarstufe 9,6 Kinder (OECD: 13,8). Allein im tertiären Bildungsbereich liegt das Verhältnis über dem Durchschnitt: Hier kommt ein Lehrender auf 17,1 Studenten (OECD: 15,5).

Internationale Studenten: Mit 15,4 Prozent wies Österreich 2010 hinter Luxemburg (41,4 Prozent), Australien (21,2 Prozent) und Großbritannien (16 Prozent) ex aequo mit der Schweiz den höchsten Anteil internationaler Studenten an den eigenen Hochschulen auf. Den Löwenanteil unter den ausländischen Studenten machten Deutsche aus, deren Anteil im Vergleich zum Jahr davor um zwei Prozentpunkte auf 36,7 Prozent stieg. Zweitgrößte Gruppe sind die Italiener (11,1 Prozent).

Klassengröße: Die durchschnittliche Klassengröße lag 2010 in Österreich in der Volksschule bei 18,4 Kindern (OECD-Schnitt: 21,2) und im Sekundarbereich I (Hauptschule, AHS-Unterstufe) bei 22,0 Kindern (OECD: 23,4).

Lehrergehälter: Die Gehälter lagen 2010 in allen Gruppen über dem OECD-Schnitt und stiegen auch überdurchschnittlich: War das Einstiegsgehalt von Volksschullehrern in Österreich mit 30.800 Dollar pro Jahr (kaufkraftbereinigt) bereits höher als im OECD-Schnitt (28.500), beträgt das Höchstgehalt mit knapp 61.000 Dollar fast das Doppelte (OECD: 45.100). Im Sekundarbereich I (Hauptschule, AHS-Unterstufe) lagen die Anfangsgehälter 2010 mit 32.200 Dollar ebenfalls deutlich über dem OECD-Schnitt (29.800), noch größer war der Abstand beim Höchstgehalt mit 63.400 Dollar (OECD: 47.700). Ähnlich sind die Daten für den Sekundarbereich II (AHS-Oberstufe, BHS).

Schüler an Privatschulen: In allen Altersgruppen liegt dieser unter dem durchschnittlichen OECD-Niveau. 5,7 Prozent der Volksschüler besuchten 2010 eine private Bildungseinrichtung (OECD: 10,3). Im Laufe der AHS-Unterstufe bzw. Hauptschule (Sekundarbereich I) saßen neun Prozent in Privatschulen (OECD: 13,9), an Höheren Schulen (Sekundarbereich II) waren es 10,7 Prozent (OECD: 18,6).

Studienanfängerquote: 2010 lag die Studienanfängerquote in Österreich erstmals über jener der OECD. Demnach begannen hierzulande 63 Prozent eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium (OECD: 61 Prozent), das ist ein Zuwachs von 36 Prozentpunkten seit 1995 (OECD-Zuwachs: 24 Prozentpunkte). Die hohe Quote in Österreich ist allerdings auch auf die hohe Zahl von ausländischen Studenten an den heimischen Unis zurückzuführen, warnt die OECD vor direkten Vergleichen. Bereinigt man die österreichische Quote um die internationalen Studierenden, liegt die Studienanfängerquote 2010 bei nur 49 Prozent (kein OECD- bzw. Zeitvergleich möglich).

Unterrichtszeit/Schüler: Deutlich kürzer als ihre Kollegen in den anderen Industriestaaten mussten Österreichs Sieben- bis Achtjährige 2010 in den Klassen sitzen (690 Stunden jährlich gegenüber dem OECD-Schnitt von 774), ebenso die Neun- bis Elfjährigen (Ö: 766 Stunden, OECD: 821). Etwas länger ist hingegen die Pflichtunterrichtszeit für Zwölf- bis 14-Jährige hierzulande als im OECD-Schnitt (Ö: 914 Stunden, OECD: 899).

Unterrichtszeit/Lehrer: In der Volksschule standen österreichische Lehrer 2010 mit 779 Stunden nur unwesentlich kürzer in der Klasse als ihre Kollegen im OECD-Schnitt (782 Stunden). Deutlich kürzer unterrichten die österreichischen Pädagogen jedoch im Bereich der Sekundarstufe I (Hauptschule, AHS-Unterstufe): Hier stehen sie 607 Stunden in der Klasse, während der durchschnittliche Lehrer im OECD-Schnitt 704 Stunden unterrichtet. Ähnlich sieht es in der Sekundarstufe II (AHS-Oberstufe, BHS) aus (Ö: 589 Stunden, OECD: 658 Stunden). Die gesetzliche bzw. vertragliche jährliche Gesamtarbeitszeit der Lehrer in Österreich ist mit 1.776 Stunden allerdings höher als im OECD-Schnitt (etwa 1.670).

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