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„Ich möchte Brücken bauen“

Die Österreichischen Industrieholding AG (OIAG) hat einen neuen Chef: Der IT-Manager Rudolf Kemler folgt auf Markus Beyrer, der nach Brüssel wechselt. Diese Entscheidung wurde am Freitag im Aufsichtsrat der Staatsholding einstimmig gefällt.

Mit Kemler bleibt die ÖIAG-Spitze im Naheverhältnis zur Industriellenvereinigung (IV) - Beyrer war Generalsekretär der Interessenvereinigung, Kemler ist Vorstand in der IV Wien. Der laut Branchenbeobachtern von der ÖVP favorisierte Ex-Landesrat Herbert Paierl (ÖVP) kam nicht zum Zug. Von der ÖIAG werden die verbliebenen Staatsanteile an der Telekom Austria (28,4 Prozent), der Post AG (52,9 Prozent) und der OMV (31,5 Prozent) verwaltet.

Insgesamt 16 Bewerbungen

Insgesamt gab es für den Posten des ÖIAG-Chefs 16 Bewerbungen, vier kamen in die engere Wahl. Beim finalen Hearing am Donnerstag fiel die Wahl laut ÖIAG schließlich auf Rudolf Kemler.

Fekter fordert Konzept

Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) zeigte sich mit der Entscheidung in einer ersten Reaktion zufrieden. Kemler sei nun gefordert, ein Konzept über die künftige Ausrichtung der Holding (Telekom Austria, Post AG, OMV) vorzulegen. Ein Gespräch mit ihm habe bereits stattgefunden. Fekter stellte aber auch klar, dass sie mit Paierl leben hätte können. Nun gehe es darum, die ÖIAG aus den medialen Schlagzeilen herauszuhalten.

Zu der von der ÖVP in Vergangenheit geforderten Eingliederung der ÖBB in die ÖIAG hielt sie fest, dass man nun einmal schauen müsse, was der austrokanadische Milliardär Frank Stronach mit den ÖBB vorhabe. Wenn es ihm nur darum gehe, Förderungen abzuziehen, sei ein Verkauf an Stronach keine Option. Wenn er aber den Steuerzahler entlastet, müsse man sich das anschauen.

„Vollblutmanager“

Wie ÖIAG-Aufsichtsratspräsident Peter Mitterbauer per Aussendung mitteilte, konnte man mit Kemler „einen Vollblutmanager mit einem beeindruckenden, internationalen Werdegang gewinnen“. Mitterbauer lobte den neuen ÖIAG-Chef zudem als „Mann der Wirtschaft, der in seiner über 35-jährigen Karriere als Geschäftsführer, Vorstand und Aufsichtsrat in einem breiten Spektrum an Branchen überzeugt hat“.

Kemler wird mit 1. November die Position des Alleinvorstands der ÖIAG übernehmen. Zu seinen Plänen meinte er in einer Aussendung: „Langfristig ist es mein Ziel, die ÖIAG im Dialog mit allen Stakeholdern strategisch aufzuwerten. Dazu gibt es verschiedene strategische Zukunftsoptionen, die ich konstruktiv und sachlich diskutieren werde. Ich möchte Brücken bauen und das Verbindende über das Trennende stellen.“

Strategisch steht für Kemler die Aufwertung der ÖIAG an zentraler Stelle. „Eine starke ÖIAG gibt ihren Beteiligungen unternehmerische Verantwortung und entzieht sie dem direkten Einfluss der Tagespolitik“, so der 56-jährige IT-Manager.

Seit 2008 HP-Österreich-Generaldirektor

Kemler ist seit 2008 Generaldirektor von Hewlett-Packard (HP) Österreich. Nach ersten Stationen in der Bankenwelt wechselte er zu der IT-Firma Nixdorf bzw. später Siemens-Nixdorf. Von 1998 bis 2000 war er als Senior Vice President bei GE Capital. Im Jahr 2000 wurde er Vorstandsvorsitzender der börsennotierten Stage1.cc Technology Business Incubator AG mit Sitz in Wien.

Von 2002 bis Anfang 2008 war Kemler Vorsitzender der Geschäftsführung von T-Systems Austria und Regionsverantwortlicher für Zentral- und Osteuropa. Kemler bekleidete auch eine Reihe an Funktionen, etwa als Vizepräsident der Amerikanischen Handelskammer in Österreich.

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