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Kritik an Politik zum Abschied

Markus Beyrer hat im Juni seine Bilanz als Kurzzeit-ÖIAG-Vorstand verteidigt. Kurz zuvor gab Beyrer bekannt, dass er nach nur einem Jahr an der ÖOAG-Spitze - in dem er auch mit dem Telekom-Austria-Skandal in Verbindung gebracht worden war - nach Brüssel wechselt. Für die Versäumnisse in der ÖIAG während seines Jahres an deren Spitze machte der 46-Jährige die Politik verantwortlich.

Er habe das von ihm erwartete strategische Konzept für die Staatsholding nicht geliefert, weil es dafür keine tragfähige politische Übereinstimmung gegeben hat, sagte Beyrer damals im Ö1-Mittagsjournal. Nicht er, „die Politik“ habe vor seinem Amtsantritt die Vorlage eines solchen Konzepts angekündigt. Er könne zwar in wenigen Stunden ein solches strategisches Konzept zusammenschreiben, brauche das aber nicht zu tun, „wenn ich binnen zweier Stunden von verschiedenen Leuten gesagt bekomme, das ist nicht das richtige“.

Gegangen oder „gegangen worden“?

Man habe noch den meisten ÖIAG-Chefs nachgesagt, „glücklos agiert“ zu haben, sagte Beyrer. Ein solches negatives Urteil treffe auf seine kurze Amtszeit aber nicht zu - die Telekom Austria habe in America Movil einen „attraktiven langfristigen strategischen Partner gefunden“ und auch die größte ÖIAG-Beteiligung OMV stehe stabil da. Er gehe gerne nach Brüssel, weil er dort an „entscheidender Stelle zu einem entscheidenden Zeitpunkt“ einen Beitrag leisten könne.

Beyrer wurde von der Präsidentenkonferenz des EU-Arbeitgeber-Dachverbands Businesseurope zum neuen Generaldirektor bestellt. Er soll seinen Wechsel dorthin bereits länger vorbereitet haben. Darüber, was hinter dem Schritt steht, gehen die Meinungen auseinander. Während Kritiker meinen, er sei aus der ÖIAG hinauskomplimentiert worden, sagen seine Unterstützer, Beyrer habe das Angebot, auf europäischer Ebene agieren zu können, gerne den innenpolitischen Zwängen der ÖIAG vorgezogen.

Wunschkandidat der ÖVP

Beyrer, ein gebürtiger Niederösterreicher, galt bei seiner Bestellung an die Spitze der ÖIAG als Wunschkandidat des damaligen Finanzministers Josef Pröll (ÖVP). Beyrers Karriere führte ihn von der Wirtschaftskammer in das Kabinett von ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel als wirtschaftspolitischer Berater, und mit einem nochmaligen Umweg über die Wirtschaftskammer schließlich zur Spitze der Industriellenvereinigung. Als Interessenvertreter saß Beyrer schon vorher in diversen Aufsichtsräten und Beiräten.

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