Themenüberblick

Richter lehnt Einwände von Fluglinien ab

Elf Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September stehen den damals betroffenen Fluggesellschaften jetzt Milliardenklagen der Eigentümer des damals zerstörten New Yorker World Trade Centers ins Haus. Ein Richter ließ die Klagen zu und wies die Einsprüche von American Airlines und United Continental zurück, wie das Gericht am Mittwoch mitteilte.

Es geht um gut 2,8 Milliarden Dollar (2,25 Mrd. Euro). Die World Trade Center Properties LLC wirft American und United - inzwischen mit Continental fusioniert - vor, durch Fahrlässigkeit die Anschläge mit fast 3.000 Toten und einem Milliardenschaden ermöglicht zu haben. Sie hätten damals durch mangelhafte Sicherheitskontrollen die 19 Islamisten an Bord gelassen. Die Klage wurde schon vor vier Jahren eingereicht und beschäftigt seitdem Dutzende Juristen.

Vertrag acht Wochen vor Anschlägen abgeschlossen

Ursprünglich hatten die Verwalter die Fluggesellschaften sogar auf 8,4 Milliarden Dollar verklagen wollen. Der Richter ließ jedoch nur eine Klagssumme von exakt 2.805.000.000 Dollar zu - genau jene Summe, die die Hafenverwaltung von New York und New Jersey als Eigentümerin des Gebäudes und die Immobilienfirma am 16. Juli 2001 vereinbart hatten. Acht Wochen später hatten die Terroranschläge alles an dem auf 99 Jahre abgeschlossenen Pachtvertrag geändert.

Die Fluglinien wollten den Prozess um jeden Preis vermeiden und sich von Anfang an gar nicht auf die Debatte einlassen, ob sie damals fahrlässig gehandelt hatten oder nicht. Deshalb zogen sie sich auf formaljuristische Standpunkte zurück - vor allem jenen, dass die Pächter schon knapp 4,1 Mrd. Dollar Entschädigung aus Versicherungen erhalten hätten. Außerdem argumentierten sie, Fahrlässigkeit an sich könne nicht für den eingeklagten Profitentgang verantwortlich sein.

Juristischer Schuss ins Knie

Der Plan der Airlines, die Frage ihrer Mitverantwortung an den Anschlägen von Anfang an auszuklammern, erwies sich als Schuss ins Knie. Gerade die Argumentation, dass die Pächter durch die Versicherung schon komplett entschädigt seien, macht nun laut Richter Alvin Hellerstein den Prozess notwendig: Zu diesem Standpunkt müsse auch World Trade Center Properties LLC, eine Firma aus dem Imperium des Immo-Tycoons Larry Silverstein, gehört werden.

Am 11. September 2001 hatten Islamisten vier Flugzeuge entführt und eines in das Pentagon in Washington gelenkt. Ein anderes stürzte beim Kampf der Passagiere mit den Entführern ab. Die beiden ersten Flugzeuge - American Airlines Flug 11 und United Airlines Flug 175 - wurden im Abstand von 17 Minuten in die beiden Türme des World Trade Centers gesteuert. Zwei Stunden später waren beide Türme eingestürzt. Fast 3.000 Menschen starben.

Links: