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USA wollen Konflikt verhindern

Tiefes Misstrauen herrscht zwischen China und den USA. Der Aufstieg der asiatischen Großmacht und die verstärkte strategische Ausrichtung der USA auf den Pazifik bringen die beiden größten Wirtschaftsnationen der Welt auf Kollisionskurs. So ist die Atmosphäre nach den Gesprächen von US-Außenministerin Hillary Clinton mit ihrem Amtskollege Yang Jiechi am Mittwoch in Peking spürbar ernst.

„Wir werden uns niemals in allen Fragen einigen, aber wir lernen, mit unseren Differenzen umzugehen“, rang Clinton den Gesprächen eine positive Note ab. Die US-Außenministerin ist müde. „Bis weit nach Mitternacht“ hat sie mit ihrem Kollegen diskutiert und gestritten: über die Syrien-Krise, die Atomprogramme mit dem Iran und Nordkorea - vor allem aber über den Territorialkonflikt Chinas mit seinen Nachbarn über Inseln im Südchinesischen und Ostchinesischen Meer, wo reiche Rohstoffvorkommen liegen sollen.

Zermürbender Streit über Inseln

Clinton sieht „nationale Interessen“ der USA berührt, wenn es um die Sicherheit der Schifffahrtswege im Meeresgebiet um die Spratly- und Paracelsus-Inseln weit südöstlich von China geht. Auch drängen die USA die Philippinen, Vietnam, Malaysia, Taiwan und Brunei, die ebenfalls Ansprüche erheben, zu einer einheitlichen Front. China will aber lieber mit jedem der kleinen Staaten einzeln über die Ansprüche verhandeln. Die USA sollten sich aus dem Streit heraushalten, heißt es in Peking.

Auch mit Japan ist ein alter Streit neu aufgeflammt, der von Nationalisten auf beiden Seiten angefacht wird. In China sind schon antijapanische Proteste ausgebrochen. Es geht um die von China Diaoyu und von Japan Senkaku genannten Inseln im Ostchinesischen Meer. China ist verärgert, weil die USA offen erklären, dass sich ihre Sicherheitskooperation mit Japan auch auf diese Inseln erstrecke.

Beobachter warnen vor einer militärischen Auseinandersetzung. „Der lange schwelende Streit im Südchinesischen Meer ist zur Eskalation verurteilt, wenn die Länder, die Ansprüche auf die Gewässer erheben, es nicht schaffen, die Spannungen zu reduzieren“, warnte die unabhängige Denkfabrik Crisis Group. „Eine Verhärtung der Positionen auf allen Seiten verringert die Chance, einen bedeutsamen Verhaltenskodex zu unterzeichnen und Seezwischenfälle unwahrscheinlicher zu machen.“

Militärische Bedrohung wächst

Irritationen lösen in China auch Pläne der USA für einen Ausbau ihrer Raketenabwehr in Asien aus. Das Pentagon verweist auf Nordkoreas Raketenbedrohung. Doch sehen chinesische Kommentatoren nur einen weiteren Beweis, dass die USA ihre militärische Präsenz ausbauen, um einer Bedrohung durch das erstarkende China zu begegnen.

Dass es zwischen China und den USA zwangsläufig auf einen Konflikt hinausläuft, will die US-Außenministerin vermeiden. Vor der Presse erinnerte sie an die „Thukydides-Falle“ aus dem antiken Griechenland. Die Angst vor dem Machtgewinn Athens machte damals für die etablierte Macht Sparta den Krieg unvermeidlich. „Zwei Nationen versuchen etwas, das es in der Geschichte niemals vorher gegeben hat - nämlich eine neue Antwort auf die Frage zu geben, was passiert, wenn eine etablierte Macht auf eine aufstrebende Macht stößt“, zieht Clinton Parallelen.

Andreas Landwehr, dpa

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