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Verfallene Gebäude, schmutzige Straßen

Nordkorea hat zum Raketenstart und den pompösen Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des gottgleich verehrten Kim Il Sung im April 200 ausländische Journalisten eingeladen - so viele wie noch nie zuvor. Bestimmt nicht geplant war dabei jedoch ein Ausflug für eine Gruppe von etwa 50 westlichen Journalisten, die eine einmalige Gelegenheit erhielten, Fotos des „wahren“ Nordkorea aufzunehmen - Eindrücke, die Fremde ansonsten verwehrt bleiben.

Schuld daran war offenbar ein Busfahrer, der den falschen Weg zu einer Veranstaltung in Pjöngjang nahm. Zu sehen bekamen die Medienvertreter ramponierte, schmutzige Straßen übersät mit Schlaglöchern, verfallene Bauten und Gebäude, die offensichtlich ohne Strom waren. Es sehe nicht aus wie in einem Kriegsgebiet, und womöglich gebe es Straßen in New York, die trister aussähen, berichtete ein Journalist, jedoch stünden die Eindrücke in enormem Kontrast zu dem Bild, das das abgeschottete Land ansonsten versucht von sich zu vermitteln.

Eine Frau trägt in Pjöngjang ihr Baby auf dem Rücken

AP/David Guttenfelder

Schmutzig und trostlos - das ist der Eindruck, den die Journalisten auf ihrer Fahrt durch Pjöngjang abseits der Hauptstraßen gewonnen haben

Bevölkerung auf Auslandshilfe angewiesen

Üblicherweise sehen Journalisten auf den seltenen Reisen die makellosen, sauberen Hauptstraßen Pjöngjangs, umringt von übermenschlich großen Postern, auf denen dem Führer Kim Jong Un oder seinem Vater gehuldigt wird. Auch Ausflüge zu Fabriken und gut besuchten Universitäten stehen auf dem Programm - sie sollen den Eindruck einer gut funktionierenden Wirtschaft erwecken. Die Realität scheint jedoch anders auszusehen: Millionen Menschen sind seit Jahren auf Auslandshilfe angewiesen. Schuld sind die kommunistische Planwirtschaft und Missernten nach Unwettern.

Kind vor einem blauen Haus in Pjöngjang

AP/David Guttenfelder

Den etwa 50 ausländischen Reportern wurde umgehend die Aufmerksamkeit der Passanten zuteil

Die wenigen Journalisten, die eine Erlaubnis zur Einreise in die Diktatur erhielten, waren nach der Ankunft umhegehend in ein vorher fixiertes Programm mit permanenter Begleitung von Regimebeamten eingespannt. Wer den Pressekonvoi verließ, riskierte eine Festnahme der Polizei und in der Folge eine Ausweisung. Obwohl dem Westen die prekäre Situation der Bevölkerung bekannt ist, scheint das Regime offenbar mit allen Mitteln bemüht, sein Propagandabild aufrechtzuerhalten.

Nordkoreaner mit Luftballons und Blumen bei einer Statuenenthüllung

Reuters/Bobby Yip

So bunt sehen offizielle Bilder aus - aufgenommen am Rande des - letztlich gescheiterten - Raketenstarts im April

Das Regime würde nahezu alles tun, um ein System zu erschaffen, das die Kim-Dynastie an der Macht hält, sagte Anthony Brunello, Professor am Eckerd College in St. Petersburg, Florida gegenüber der AP.

Zwei Männer stehen in Pjöngjang an einer Betonmauer und blicken nach oben

AP/Ng Han Guan

Das autokratische Land befindet sich in völliger politischer Isolation

„Nichts als absolute Wahrheit berichten“

Doch zurück zur Journalistengruppe: Umgehend versuchte damals auch die Begleiterin des vom Weg abgekommenen Buskonvois die Journalisten, die danach umgehend ihre Kameras zückten, auf Linie zu bringen: „Ich hoffe, dass die anwesenden Journalisten nichts als die absolute Wahrheit berichten“, sorgte sich Ri Jinju. „Die Wahrheit darüber, wie sehr unsere Leute unseren Kameraden Kim Jong Il vermissen und wie stark die Geschlossenheit zwischen der Bevölkerung und der Führung ist. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr vermissen wir unseren Geliebten Führer Kim Jong Il“, so Ri.

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