Hollande stimmt Franzosen auf lange und schwere Krise ein

Frankreichs Präsident Francois Hollande hat seine Landsleute auf eine „lange, außergewöhnlich schwere“ Wirtschaftskrise eingestimmt. Keine große Wirtschaftsmacht und auch nicht die Schwellenländer seien davor gefeit, sagte der Staatschef gestern in einer Rede bei einer Wirtschaftsmesse im nordostfranzösischen Chalons-en-Champagne.

Um den „Kampf um Wachstum, Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit“ zu gewinnen, sei Zeit nötig, fügte der Präsident hinzu, dem zuletzt massiv vorgeworfen war, zu zögerlich angesichts der Probleme in Frankreich zu reagieren.

Mehr Zeit für Resümee

Hollande verwies nun darauf, dass die Entscheidungen „in der richtigen Reihenfolge, im richtigen Rhythmus und in der richtigen Ausrichtung“ getroffen werden müssten. Sein Vorgehen richte sich an seiner fünfjährigen Amtszeit aus, „nicht an drei Monaten, auch nicht an zwölf Monaten“, sagte er. Der Sozialist fügte aber zugleich hinzu, dass es keine Zeit zu verlieren gebe. „Dringlichkeit gibt es bei den Arbeitsplätzen“, hob er hervor. Daher sei unter anderem die Parlamentssitzung auf den 10. September vorgezogen worden, um über die geplanten 150.000 Arbeitsplätze für Jugendliche zu beraten.

Das Vertrauen der Franzosen in ihren seit Mai amtierenden Präsidenten war in den vergangenen Wochen drastisch eingebrochen. Zuletzt rutschte Hollande in mehreren Umfragen bei den Zustimmungswerten unter die Schwelle von 50 Prozent. Die Bilanzen zu hundert Tagen Amtszeit des Präsidenten fielen in der französischen Presse überaus kritisch aus.

Kritik auch aus eigenen Reihen

Auch in der eigenen Partei und im linken Lager regt sich seit einigen Wochen deutlicher Unmut. Eine der wichtigsten Gewerkschaften des Landes kündigte für Oktober eine Demonstration an, um von der Regierung ein aktiveres Handeln für Arbeitsplätze einzufordern. Bei seiner Ankunft in Chalons-en-Champagne wurde Hollande von Gewerkschaftern mit Schildern empfangen, auf denen in Anspielung auf seinen Wahlkampfslogen stand: „Wann kommt der Wandel?“