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Experten zweifeln an Sparpotenzial

Eine Umstellung des Bundesheeres auf ein Berufsheer ohne Präsenzdiener wird in erster Linie eine Reduktion der Mannstärke bedeuten. Da das ohnehin sehr niedrige Militärbudget kaum erhöht werden dürfte, wird sich dadurch wohl auch der Leistungsumfang reduzieren. Eine Verkleinerung der Truppe bedeutet natürlich auch eine Verkleinerung der Infrastruktur und damit auch Kasernenschließungen.

Derzeit verfügt das Bundesheer über rund 16.000 Berufssoldaten, 10.000 Präsenzdiener (etwa 25.000 pro Jahr) und 15.000 Milizsoldaten in präsenten Verbänden. Nach den Plänen von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) soll es künftig 15.000 Berufssoldaten (inklusive Zeitsoldaten) und 9.300 Milizsoldaten geben. Das wären rund 17.000 Soldaten weniger. Eine Reduktion der Mannstärke würde auch Kasernenschließungen mit sich bringen. Derzeit gibt es rund 100 Standorte.

Großes Fragezeichen bei tatsächlichen Kosten

Das spart zwar Geld, doch kostet der Ersatz der Wehrdiener auch einiges. Alleine der Ersatz der 2.000 bis 3.000 Präsenzdiener, die als Systemerhalter herangezogen werden, würde schätzungsweise 60 Mio. Euro kosten. Die geplanten Prämien für die Miliz (5.000 Euro pro Jahr) würden 50 Mio. Euro zusätzlich kosten. Dass ein Berufsheer, das Gleiches leistet wie jetzt, auch gleich viel kosten wird, wird daher von vielen Seiten stark angezweifelt. Darabos hat zwar entsprechende Modelle errechnen lassen. Als er aber noch ein Verfechter der Wehrpflicht war, hatte das Ministerium davon gesprochen, dass ein Berufsheer das Doppelte des jetzigen Systems kosten würde.

Entacher: Mit jetzigem Budget nicht machbar

Laut Generalstabschef Edmund Entacher ist ein Berufsheer im gleichen Umfang wie das jetzige System mit dem derzeitigen Budget nicht machbar. Wenn man die heutige Leistungsfähigkeit mit einem Berufsheer aufrechterhalten will, würde man vor „massiven Problemen“ stehen, sagte Entacher am Dienstag im Gespräch mit der APA. Bei einer Umstellung müsste man mit Rekrutierungsproblemen, zusätzlichen Kosten in Millionenhöhe und Kasernenschließungen rechnen.

Um die heutigen Strukturen annähernd aufrechtzuerhalten, brauchte man 8.000 bis 9.000 Freiwillige für die Auffüllung und jährlich weitere 1.500. „Beides halte ich für nicht möglich“, so Entacher. Denn die bisherigen Erfahrungen bei den Kaderpräsenzeinheiten hätten gezeigt, „dass die Zahl der Interessenten relativ hoch, aber die Ausbeute ziemlich gering ist“. „Ich bezweifle nachhaltig, dass brauchbare Stärken erreichbar sind und dass man diese nähren kann“, sagte der Generalstabschef. Dem stünde zudem der budgetbedingte Beinaheaufnahmestopp entgegen, den es derzeit im öffentlichen Dienst gibt.

Langwieriger Umbau

Neben den Uniformierten beschäftigt das Bundesheer auch rund 8.600 Zivilbedienstete, zum Beispiel Handwerker und Ärzte. Diese Zahl soll laut Darabos auf 7.000 reduziert werden. Ein Abbau des nicht mehr benötigten Personals im militärischen und im zivilen Bereichen wird allerdings nicht von heute auf morgen gehen. Das brauchte nach Angaben des Ministeriums selbst ganze zehn Jahre.

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