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Seit 2007 auf dem Sprung ins Weiße Haus

Das Wahlkampfteam von US-Präsident Barack Obama hat in den vergangenen Wochen ein Negativbild von Mitt Romney gezeichnet: Multimillionär mit mangelhafter Steuermoral, Finanzinvestor ohne Rücksicht auf Arbeitnehmer, Ex-Gouverneur ohne politisches Rückgrat. Romney muss nun den positiven Gegenentwurf liefern. Viele Wähler stellen sich die Frage: Wer ist Willard Mitt Romney wirklich?

Seit Anfang 2007 ist Romney hauptberuflich Präsidentschaftsaspirant. Nach einer Amtszeit als Gouverneur von Massachusetts nahm er damals den Kampf um die Kandidatur der Republikaner für die Wahl 2008 auf, unterlag aber John McCain, der wiederum an Obama scheiterte. Mit seiner Lobbygruppe Free and Strong America (Freies und starkes Amerika) blieb Romney im politischen Geschäft. Im Juni 2011 startete er dann offiziell seinen zweiten Anlauf Richtung Weißes Haus.

In den Fußstapfen des Vaters

Mit seinem Streben nach dem höchsten Staatsamt versucht der 65-Jährige etwas zu erreichen, was seinem Vater nie gelang: George Romney, Automobilmanager und Gouverneur von Michigan, bemühte sich 1968 erfolglos um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner.

Mitt Romney hatte hervorragende Startbedingungen ins Leben. Die Familie lebte im Detroiter Nobelvorort Bloomfield Hills, seinen Highschool-Abschluss machte er 1965 an einer elitären Privatschule. Zu dieser Zeit lernte er auch seine spätere Frau Ann kennen, eine Unternehmertochter aus der Nachbarschaft.

Als Mormonen-Missionar in Frankreich

Ein prägendes Element seiner Biografie, das Romney in der Öffentlichkeit sehr vorsichtig behandelt, ist sein mormonischer Glaube. Der im 19. Jahrhundert gegründeten Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage schlagen in den USA noch immer Vorurteile entgegen.

Die Romneys sind eine Mormonen-Dynastie, sie lassen sich bis in die Anfangszeit der Religion zurückverfolgen. Der Lebensstil, der puritanische Werte wie den Verzicht auf Alkohol einfordert und ein enges Familienleben zur Norm erklärt, formte den jungen Romney. Seine spätere Frau bewegte er zum Übertritt, für 30 Monate ging er als Missionar nach Frankreich.

Soziale Seite soll hervorgehoben werden

Der Glaube wurde zu Romneys Antrieb für soziales Engagement in der Kirche. Der Vater von fünf Kindern amtierte jahrelang als Gemeindevorsteher, spendete einen Teil seines Einkommens und half Glaubensbrüdern aus Notsituationen. Angesichts des Bildes des kalten Kapitalisten, das Obama von Romney zu zeichnen versucht, verweisen die Republikaner immer häufiger auf diese unbekannte Seite des Kandidaten.

Die Grundlage für seine Karriere legte Romney mit einem Doppelabschluss in Jura und Wirtschaft an der Eliteuni Harvard, sein Vermögen machte er mit der Mitte der 1980er Jahre in Boston gegründeten Investmentfirma Bain Capital. Die Bain-Fonds kaufen unter anderem angeschlagene Unternehmen, versuchen eine Sanierung - und schrecken dabei vor Entlassungen nicht zurück. Romneys Vermögen soll irgendwo zwischen 200 und 250 Millionen Dollar (zwischen 160 und 200 Mio. Euro) liegen, sein Steuersatz im Jahr 2010 betrug etwas über 13 Prozent.

Winterolympiade 2002 gerettet

Den Gang in die Politik versuchte Romney erstmals 1994, als er im Kampf um einen Senatssitz für Massachusetts am demokratischen Amtsinhaber Ted Kennedy scheiterte. Sein zweiter Griff nach einem Amt hatte Erfolg: Von 2003 bis 2007 regierte er als Gouverneur in Massachusetts. Zwischenzeitlich hatte sich Romney landesweit Respekt erarbeitet, weil er als Manager die kriselnde Winterolympiade 2002 in Salt Lake City rettete.

In seiner politischen Laufbahn hat Romney oft widersprüchliche Haltungen eingenommen. Bei den Themen Abtreibung und Homosexuellenrechte etwa nahm er während seiner Zeit im liberalen Massachusetts moderate Positionen ein - nun präsentiert er sich als konservativer Hardliner. Ähnlich verhält es sich in der Klima- und Gesundheitspolitik. Bis zum 6. November haben die Wähler in den USA nun Zeit, sich einen Reim auf den rätselhaften Kandidaten Romney zu machen.

Gregor Waschinski, AFP

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