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Romney soll Wahlschlacht gewinnen

Der Republikaner Mitt Romney wird bei der US-Präsidentenwahl im November gegen Amtsinhaber Barack Obama antreten. Der Parteitag der Republikaner in Tampa in Florida nominierte den 65 Jahre alten Ex-Gouverneur am Dienstag offiziell zum Kandidaten. Mit Romney an der Spitze wollen die US-Republikaner die Wahlschlacht um das Weiße Haus gewinnen.

Nach einer Verschiebung wegen des Hurrikans „Isaac“ um 24 Stunden eröffneten die Republikaner ihren Parteitag am Dienstagnachmittag (Ortszeit) mit der Nationalhymne und dem Fahneneid der USA.

Wahlanhänger von Mitt Romney mit Wahlplakat

APA/EPA/Tannen Maury

Die Republikaner feiern Mitt Romney

Überwältigende Mehrheit

Mit einem Tag Verspätung begannen die über 4.000 Delegierten und Ersatzdelegierten am Dienstag ihre Arbeit. Wichtigster Punkt war die offizielle Nominierung Romneys. Das war eine stundenlange Prozedur, bei der die Delegierten von allen 50 Bundesstaaten ihre Stimme abgeben mussten. Eine große Mehrheit der rund 2.000 Delegierten sprach sich am Dienstagabend für Romney aus, der damit im zweiten Anlauf um die Kandidatur seinen bisher größten politischen Erfolg erzielte. Bei der Abstimmung auf dem Parteikongress hoben die Delegierten aus dem Bundesstaat New Jersey Romney über die erforderliche Hürde von 1.144 Stimmen.

Vor vier Jahren noch war Romney Senator John McCain unterlegen, der letztlich gegen Obama verloren hatte. Formell gilt Romney nach Angaben der republikanischen Partei aber erst als Kandidat, wenn er die Nominierung in seiner Rede zum Abschluss der „Convention“ am Donnerstag annimmt.

Rosen für Romney und Ryan

Mitt Romney und Paul Ryan würden „der nächste Präsident und der nächste Vizepräsident der Vereinigten Staaten“, sagte Parteichef Reince Priebus. Die beiden werden Amerika aus der Krise holen und die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. „Wenn Obama vier weitere Jahre regieren sollte, würden wir nichts als weiteren Niedergang erleben.“ Es gelte, „den amerikanischen Traum wiederherzustellen“.

Romney war Dienstagfrüh in Tampa gelandet, Einzelheiten zu seinem Tagesprogramm waren nicht bekannt. Allerdings verfolgte er die Parteitagsrede seiner Frau Ann am Abend. Zum Auftakt des Politikspektakels in der Sport- und Veranstaltungsarena Tampa Bay Times Forum ergriffen zudem Romneys Vorwahlrivale Rick Santorum sowie der populäre Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, das Wort. Sie streuten Romney und seinem Vizekandidaten Ryan Rosen.

Buhrufe von Ron-Paul-Anhängern

Es kam allerdings auch zu turbulenten Szenen und offenen innerparteilichen Protesten. Die Anhänger der Fraktion des radikal-liberalen Ron Paul reagierten mit wütenden Buhrufen auf eine Änderung der Parteitagsstatuten, von denen sie sich schwer benachteiligt fühlen. Die Proteste dauerten über mehrere Minuten an.

Ein Anhänger von ron Paul beim republikanischen Parteitag

APA/EPA/Justin Lane

Ein Ron-Paul-Anhänger will nicht aufgeben

Die Ron-Paul-Anhänger werfen Romney vor, innerparteiliche Kritiker mundtot machen zu wollen. Paul war bei den Vorwahlen im Frühjahr chancenlos ausgestiegen. Er tritt etwa dafür ein, die US-Zentralbank aufzulösen und zum Goldstandard zurückzukehren. Der Parteitag findet in Tampa in Florida statt.

„Isaac“ statt Romney als Topthema

Das monatelang minuziös geplante Programm des Parteitagsspektakels in Tampa war wegen des Sturms „Isaac“ geändert worden. Der Sturm verdrängte Romney und die Republikaner streckenweise als Topthema aus den TV-Nachrichten. Durch „Isaac“ wurden alte Erinnerungen wach. Am Mittwoch vor sieben Jahren hatte Hurrikan „Katrina“ Tod und Verwüstung nach New Orleans gebracht.

Heiße Phase des Wahlkampfs

Seine große Nominierungsrede hält Romney erst zum Abschluss am Donnerstag. Hinter Romney liegen 15 Monate parteiinterner Wahlkampf. Der Republikaner hatte Anfang Juni 2011 erklärt, dass er sich um das Präsidentenamt bewirbt. Rund zehn Wochen vor den Präsidentenwahlen markieren die Parteitage den Beginn der heißen Wahlkampfphase. Obamas Demokraten halten ihr Treffen kommende Woche in Charlotte im Bundesstaat North Carolina ab.

Obama und Romney liefern sich laut Umfragen weiterhin ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Nach einer jüngsten Umfrage der „Washington Post“ und des TV-Senders ABC liegt derzeit Romney mit 47 zu 46 Prozent vorn. Vor allem beim Thema Wirtschaft trauen die Befragten Romney mehr zu. Den Angaben zufolge wurden rund 1.000 erwachsene Amerikaner am vergangenen Samstag telefonisch befragt.

Das Problem mit der Steuererklärung

Romney hat allerdings mit Gegenwind zu kämpfen. Nicht nur, dass der Multimillionär die Diskussion über seine Steuererklärungen nicht los wird. Mit negativen Fernsehspots und koordinierten Wortmeldungen halten Obamas Demokraten das Thema auf der Agenda. Weil Romney eine Offenlegung über die Bescheide von 2010 und 2011 hinaus ablehnt, bleibt ein Fragezeichen hinter seiner Aussage, im vergangenen Jahrzehnt immer mindestens 13 Prozent Steuern gezahlt zu haben.

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