Ärger über RH-Kritik an Dorotheumsverkauf

Der frühere Chef der Staatsholding ÖIAG, Johannes Ditz, ärgert sich über die Kritik des Rechnungshofs (RH) an der Privatisierung des Dorotheums im Jahr 2001 - in der Ära von Finanzminister Karl-Heinz Grasser.

Die staatlichen Prüfer hätten offenbar den Auftrag gehabt, irgendetwas zu finden, wird der frühere ÖVP-Wirtschaftsminister und jetzige Aufsichtsratschef der Kärntner Hypo im „Standard“ (Montag-Ausgabe) zitiert.

Er habe keine Indizien dafür, dass die Privatisierung manipuliert gewesen sein könnte. „Grasser hat bei mir nicht angerufen.“ Auch aus dem Kabinett des damaligen Finanzministers oder vom Aufsichtsrat seien keine Interventionen gekommen, versichert Ditz.

Rechnungshof „hat Rechenfehler gemacht“

„Ich bin zu der Sache nie befragt worden“, beklagte Ditz heute gegenüber der APA. Mittlerweile liege ihm die Stellungnahme der ÖIAG zur Dorotheum-Privatisierung vor. Sein Schluss: „Der Rechnungshof hat einen Rechenfehler gemacht.“ Die Prüfer hätten nämlich vergessen, vom Unternehmenswert, den die Investmentbank auf 80 bis 96 Mio. Euro geschätzt habe, die Schulden in Höhe von 26 Mio. Euro abzuziehen.

Abzüglich der 26 Mio. Euro ab komme man auf einen Verkaufserlös von 54 bis 70 Mio. Euro. „Die ÖIAG hat 73,4 Millionen erzielt“, rechnete Ditz vor. Von daher gehe der Vorwurf, das Auktionshaus sei zu billig verkauf worden, ins Leere.

RH: Zu billig verkauft

Nach Meinung der RH-Prüfer wurde das Dorotheum zu billig verkauft: Der Erlös des Bundes sei mit 70,57 Mio. Euro „um rund zehn bis 20 Mio. Euro unter der Verkaufspreisempfehlung seitens der Investmentbank“ gelegen, heißt es in dem vorige Woche veröffentlichten Bericht.

Auch die hohen Kosten und der Privatisierungsprozess selbst wurden vom RH scharf kritisiert. Die ÖIAG hatte das bereits am Donnerstag zurückgewiesen: Der Verkauf sei „professionell“ und „ordnungsgemäß“ erfolgt.

Moser: „Man sollte den Rechnungshof-Bericht lesen“

„Man sollte den Rechnungshof-Bericht lesen“, konterte RH-Präsident Josef Moser. Die Verkaufsempfehlung der Investmentbank habe 80 bis 90 Mio. Euro betragen. „Da wurden die Schulden berücksichtigt, nicht aber der Steuervorteil in Höhe von 16,9 Mio. Euro, den man dem Bieter rückwirkend ermöglicht hat, indem man das Dorotheum in eine GmbH & Co KG umgewandelt hat“, sagte Moser zur APA. Über den Steuervorteil habe die Staatsholding das Finanzministerium nicht informiert.

Nach Privatisierung abgelöst

Ditz wurde kurz nach der Privatisierung des Dorotheums von Grasser an der Spitze der ÖIAG abgelöst. Den Verkauf des Auktionshauses an OneTwoSold rund um den Kärntner Unternehmer Erwin Soravia und den heutigen „Krone“-Herausgeber Christoph Dichand hält Ditz als eine der erfolgreichsten des Bundes überhaupt.

Von einem ungünstigen Verkaufszeitpunkt wie der RH moniert könne keine Rede sein. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sei der Kunstmarkt zusammengebrochen, Firmenübernehmen zum Erliegen gekommen.