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Zum Teil aus sowjetischer Forschung

Im blutigen Konflikt in Syrien wächst bei den Nachbarn die Sorge vor dem Waffenarsenal des Regimes von Baschar al-Assad. Denn neben Chemiewaffen soll das Land auch biologische Kampfstoffe besitzen, wie ein Experte in der Tageszeitung „Die Welt“ (Mittwoch-Ausgabe) schrieb.

Zwar galten die syrischen Forschungen zu Biowaffen bisher als nicht praxistauglich, doch wurde diese Einschätzung jetzt von dem deutschen Waffenexperten Hans Rühle relativiert. Schon am Montag hatte US-Präsident Barack Obama die Führung in Damaskus vor dem Einsatz nicht nur chemischer, sondern auch biologischer Waffen gewarnt.

Milzbrand, Pest, Cholera, Blattern

Laut „Welt“ verfügt Assad nicht nur über ein umfassendes Chemiewaffenarsenal, sondern auch über biologische Kampfstoffe. So schreibt Rühle, das Regime in Damaskus arbeite an einsatzfähigen Erregern von Milzbrand, Pest, Tularemia (Hasenpest), Cholera, Kamelpocken und Blattern und soll zudem die Giftstoffe Rizin, Botulinum und Aflatoxin besitzen.

Einige Stoffe seien schon getestet worden, zum Teil stammten sie aus sowjetischer Forschung. Die Sowjetunion habe die Kampfstoffe schon bis zur industriellen Produktion und militärischen Einsetzbarkeit entwickelt. Rühle, in den 80er Jahren Leiter des Planungsstabes im deutschen Verteidigungsministerium, stützt sich bei seinen Ausführungen auf Geheimdiensterkenntnisse und einschlägige Forschungen.

Deutliche Worte von Obama

„Wir dürfen nicht in die Situation kommen, dass chemische oder biologische Waffen in die falschen Hände fallen“, hatte Obama am Montag (Ortszeit) mit Blick auf die chaotischen Verhältnisse in Syrien gesagt. Sollte Syrien chemische oder biologische Waffen einsetzen oder den Einsatz auch nur vorbereiten, werde die „rote Linie“ überschritten, betonte Obama und brachte damit erstmals direkt die Möglichkeit einer Militärintervention ins Spiel. Die Regierung in Damaskus tat die Aussagen als Wahlkampfgeschwätz ab - und verwies auf die Atomwaffen, mit denen Israel die Region bedrohe.

Ausländische Journalisten getötet

Bei den Kämpfen in Syrien kamen vergangene Woche auch zwei ausländische Berichterstatter ums Leben. In der umkämpften Metropole Aleppo wurde eine japanische Journalistin getötet, laut Medienberichten die preisgekrönte Mika Yamamoto (45), die zuvor aus Afghanistan und dem Irak berichtet hatte. Im selben Gefecht fielen nach Angaben von Assad-Gegnern ein türkischer Kameramann und ein palästinensischer Reporter Milizionären des Regimes in die Hände. Der Türke sei mit einem Kopfschuss getötet worden, der Palästinenser sei zum Verhör gebracht worden. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite liegt nicht vor.

Das US-Außenministerium teilte in Washington ohne weitere Angaben von Details mit, dass zwei Journalisten des mit US-Geldern geförderten arabischen TV-Senders al-Hurra vermisst würden. Ob es sich dabei um den türkischen Kameramann und den palästinensischen Reporter handelt, konnte zunächst nicht festgestellt werden. Für Verwirrung sorgte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London, die von drei vermissten Journalisten - einem Türken, einem Libanesen und einem Araber - in den Diensten einer US-Nachrichtenagentur sprach.

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