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„Riesiger Sprung für die Menschheit“

Der erste Mensch am Mond ist tot: US-Astronaut Neil Armstrong ist am Samstag im Alter von 82 Jahren gestorben. „Wir sind untröstlich, mitteilen zu müssen, dass Neil Armstrong an den Folgen eines Herzeingriffs gestorben ist“, heißt es in einer Erklärung seiner Familie.

US-Präsident Barack Obama würdigte den Verstorbenen als einen der größten Helden der Nation: „Neil war unter den größten amerikanischen Helden - nicht nur seiner Zeit, sondern aller Zeiten“, sagte ein „tief betrübter“ Obama: „Als er und seine Kollegen an Bord von ‚Apollo 11‘ 1969 abhoben, haben sie die Hoffnungen einer ganzen Nation mit sich genommen.“ Armstrongs Entdeckergeist lebe in all den Männern und Frauen weiter, die ihre Leben der Erforschung des Unbekannten widmeten, einschließlich derjenigen, die alles daransetzten, das Weltall immer besser zu erforschen. „Dieses Erbe wird fortbestehen - ausgelöst von einem Mann, der uns die enorme Wirkung eines kleinen Schrittes gelehrt hat.“

Auch laut NASA-Chef Charles Bolden habe man einen Freund, Astronautenkollegen und einen „wahren amerikanischen Helden“ verloren. So lange es Geschichtsbücher gibt, werde Armstrong in diesen vorkommen, zeigte sich Bolden per Aussendung überzeugt.

Millionen verfolgten Mondlandung im TV

Armstrong hatte als Kommandant der dreiköpfigen „Apollo 11“-Mission am 20. Juli vor 43 Jahren als erster Mensch seinen Fuß auf den Erdtrabanten gesetzt. Damals sprach er die legendären Worte: „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.“ Rund 500 Millionen Menschen in allen Erdteilen saßen vor ihren Fernsehapparaten und verfolgten, wie der 38 Jahre alte Weltraumpionier nahezu 400.000 Kilometer von der Erde entfernt seinen linken Fuß auf die Oberfläche des Mondes setzte.

Neil Armstrong auf dem Mond

Reuters/NASA/Edwin Aldrin

Mit der „Apollo 11“-Mission schrieb die NASA Geschichte

Die Mondlandung galt mit 24 Milliarden Dollar als das teuerste und gleichzeitig risikoreichste Unternehmen, das ein Land in Friedenszeiten je gewagt hat. Die USA gewannen damit den Wettlauf gegen Moskau. Insgesamt hielten sich Armstrong und seine Kollegen Edwin Aldrin 22 Stunden auf dem Mond auf. Sie sammelten Gesteinsproben und hissten die US-Flagge. Am 24. Juli 1969 kehrte die Raumkapsel zur Erde zurück, wo eine Flut an Ehrungen auf die Weltraumpioniere wartete.

„Amerikanische Helden“

Dennoch verschwand Armstrong schon kurz nach der historischen Weltraummission weitgehend aus der Öffentlichkeit. Schon bald wurde bekannt, dass er nicht mehr ins All fliegen wolle. Die NASA verließ er schließlich im Jahr 1971 ganz.

Die Astronauten Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin Aldrin (Archivfoto vom Juli 1969)

APA/EPA/NASA

Die „Apollo 11“-Besatzung: Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin Aldrin

Ins Scheinwerferlicht trat Armstrong dann nur noch beim traditionellen Empfang des jeweiligen US-Präsidenten für die legendäre Besatzung der „Apollo 11“, zuletzt am 20. Juli 2009. Die Feier zum 40. Jahrestag der Mondmission war die letzte, bei der das Trio Armstrong, Michael Collins und Edwin „Buzz“ Aldrin vollzählig im Weißen Haus erschien. US-Präsident Barack Obama würdigte Armstrong und seine beiden Kollegen bereits damals als „amerikanische Helden“.

„Curiosity“-Landung als Geburtstagsgeschenk

Obama bekam aber auch Armstrongs Kritik zu spüren, nachdem der US-Präsident vor zwei Jahren die Abkehr von einem neuen NASA-Mondprogramm verkündete. Armstrong protestierte in einem offenen Brief gegen die drohende „Zweitklassigkeit“ der USA in der Weltraumforschung. Erst vor drei Wochen machten ihm die NASA dann ein besonderes Geburtstagsgeschenk: Der Mars-Rover „Curiosity“ landete am 82. Geburtstag Armstrongs erfolgreich auf dem Roten Planeten. Am 7. August - nur zwei Tage nach seinem 82. Geburtstag - unterzog sich Armstrong laut Angaben seiner Familie schließlich einer Herzbypass-Operation.

Neil Armstrong

APA/EPA/NASA/Bill Ingalls

Armstrong bei einer seiner seltenen Reden im Februar 2012

Erster Flug mit sechs Jahren

Armstrong wurde am 5. August 1930 in Wapakoneta im US-Bundesstaat Ohio geboren. Seinen ersten Flug erlebte er im damals ungewöhnlich jungen Alter von sechs Jahren. Den Pilotenschein hatte Armstrong mit 16 Jahren eher in der Tasche als die Fahrerlaubnis. Auch im Studium beschäftigte sich Armstrong mit der Luftfahrt. Er studierte Luftfahrttechnik an der Universität Purdue in Indiana und erhielt in dem Fach einen Master of Science von der University of Southern California.

Armstrong diente im Korea-Krieg als Kampfflieger und flog als Navy-Pilot 78 Einsätze. 1955 wurde Armstrong Testpilot auf dem Luftwaffenstützpunkt Edwards in Kalifornien, wo er rund 50 verschiedene Flugzeugtypen flog. Sieben Jahre später wurde er von der Raumfahrtbehörde NASA für das Astronautentraining in Houston in Texas ausgewählt.

Nach seiner Astronauten-Karriere lehrte Armstrong noch rund ein Jahrzehnt lang Luftfahrttechnik an der Universität von Cincinnati. Außerdem gehörte er den Vorständen mehrerer Konzerne an, darunter die Luftfahrtunternehmen Lear Jet und United Airlines sowie dem Konzern Marathon Oil.

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