Syrischer Kampfjet dringt in irakischen Luftraum ein

Zum ersten Mal seit Beginn des blutigen Konflikts in Syrien ist ein Kampfjet in den irakischen Luftraum eingedrungen. Aus Militärkreisen in der westlichen Anbar-Provinz hieß es heute, das Flugzeug der syrischen Luftwaffe habe sich nahe dem geschlossenen Grenzübergang al-Kaim vier Minuten lang über irakischem Territorium aufgehalten.

Der Pilot habe vermutlich Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) in dem syrischen Grenzort al-Bukamal im Visier gehabt. Die irakischen Sicherheitskräfte hatten den Grenzübergang al-Kaim am Vortag mit Betonsperren blockiert. Diese Maßnahme war mit der Präsenz der FSA auf der syrischen Seite der Grenze begründet worden.

Erneut 50 Tote

Die Kämpfe zwischen der syrischen Armee und Rebellen haben sich heute auf die Großstädte Damaskus und Aleppo konzentriert. Bis Mittag zählten die Regimegegner 55 Tote, darunter zehn Männer, deren Leichen im Damaszener Stadtviertel Kafr Susa gefunden wurden. Die Männer seien nicht im Kampf gefallen, sondern in Gefangenschaft getötet worden, hieß es.

Die Gegner von Präsident Baschar al-Assad veröffentlichten zudem ein Video aus der Provinz Idlib. Es zeigt ihren Angaben zufolge mehrere Soldaten, die wie Assad der Minderheit der alawitischen Muslime angehören. Sie sollen von den Aufständischen an einer Straßensperre nahe der Ortschaft Kafr Nabl überwältigt worden sein.

EU fordert Kampfpausen

Die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa forderte unterdessen Kampfpausen im syrischen Bürgerkrieg, um die notleidende Zivilbevölkerung zu versorgen.

„Die Kämpfe für eine Stunde oder zwei Stunden anzuhalten, damit Verwundete versorgt werden können - das ist bedauerlicherweise noch nicht geschehen“, sagte Georgiewa dem Informationsdienst dpa Insight EU gestern in Brüssel.

„2,5 Millionen Menschen benötigen Hilfe“

Die EU-Kommissarin reagierte damit auf einen wachsenden Strom von Flüchtlingen. Mindestens 2,5 Millionen Menschen in Syrien benötigten humanitäre Hilfe, mindestens 1,2 Millionen seien Vertriebene im eigenen Land, sagte Georgiewa. „Da Aleppo und Damaskus keine sicheren Gebiete mehr sind, gibt es nur noch außerhalb des Landes Hoffnung auf Sicherheit.“

Das bedeute, dass im Libanon, in Jordanien und auch in der Türkei immer größere Probleme entstünden. „Hilfe innerhalb Syriens ist wichtig für jene, die im Konflikt gefangen sind, aber sie ist auch wichtig, um Auswirkungen auf die Nachbarländer zu reduzieren“, sagte sie.

Russland beschuldigt Westen

Unterdessen beschuldigte Russland den Westen, für die Syrien-Krise mitverantwortlich zu sein. „Unsere westlichen Partner haben noch immer nichts getan, um die Opposition zu einem Dialog mit der Regierung zu bewegen“, teilte das Außenministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit. „Sie stiften sie stattdessen offen dazu an, den bewaffneten Kampf fortzusetzen“, hieß es. „Es ist klar, dass mit diesen Methoden eine politische Lösung der Krise unmöglich ist.“