Griechenlands Selbstständige könnten Budget retten

Wenn in Griechenland Freiberufler für ein Jahr ganz normal ihre Steuern bezahlen würden, brauchte das Land einer US-Studie zufolge kein neues Sparprogramm.

Die Chicago Booth School of Business habe festgestellt, dass die tatsächlichen Einkommen zum Beispiel von Ärzten, Rechtsanwälten und Ingenieuren 1,92-mal höher seien, als diese offiziell angaben, berichtete heute die Athener Zeitung „Kathimerini“. Dadurch entgehen dem Staat der Studie zufolge 11,2 Mrd. Euro. Das Sparpaket, das die griechische Regierung mit den internationalen Geldgebern vereinbart hat, hat ein Volumen von 11,5 Milliarden Euro.

Ärzte als größte Steuerhinterzieher

Besonders negativ fielen bei der Studie die Ärzte auf: Sie sollen demnach im Durchschnitt mindestens ein jährliches Einkommen in Höhe von 29.343 Euro nicht angegeben haben. An zweiter Stelle folgen der Zeitung zufolge die Ingenieure mit 28.625 Euro. Die Regierung in Athen hat der Steuerhinterziehung mittlerweile den Kampf angesagt. In ganz Griechenland werden intensive Kontrollen durchgeführt.

Samaras bittet um mehr Zeit

Wenige Tage vor seinen geplanten Besuchen in Berlin und Paris bat unterdessen der griechische Regierungschef Antonis Samaras um mehr Zeit zur Umsetzung der von den internationalen Geldgebern des Landes verlangten Reformen.

Was Griechenland wolle, sei „ein wenig Luft zum Atmen, um die Wirtschaft rasch in Gang zu bringen und die Staatseinnahmen zu erhöhen“, sagte Samaras der „Bild“-Zeitung (Mittwoch-Ausgabe). Athen fordere „kein zusätzliches Geld“ und stehe zu seinen „Verpflichtungen und zur Erfüllung aller Vorgaben“. „Mehr Zeit bedeutet nicht automatisch mehr Geld“, sagte der konservative Politiker.