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Spitzenreiter über 37 Jahre in der Luft

Hypermoderne Großraumflugzeuge wie den Airbus A380, die Boeing 787 („Dreamliner“) und die neuesten Varianten beider Hersteller auf der Lang- und Mittelstrecke stellen Fluggesellschaften gerne in die Auslage - zumindest die, die es sich leisten können. Doch der Großteil der Flotten hat bereits einige Jahre auf dem Buckel, wie eine Erhebung des Luftfahrtmagazins „Aviation Week“ zeigt.

In Afrika, Südamerika und dem Iran sind laut dieser die ältesten Maschinen in Betrieb. Danach folgen im Ranking der Länder mit jeweils 100 Maschinen und mehr in der Luft - allerdings mit deutlichem Abstand - die USA und Kanada. Das durchschnittliche „Standardrumpfflugzeug“ (mit einem Gang und bis zu sechs Sitzen in der Economy-Klasse, Anm.) ist in den USA und Kanada durchschnittlich seit 15 Jahren im Dienst. Im globalen Schnitt sind es zwölf Jahre.

In Venezuela, dem Iran und Südafrika sind Maschinen bereits bis zu 32,5, 22 und über 21 Jahren in der Luft. Spitzenreiter ist die Demokratische Republik Kongo mit einem Durchschnittsalter von 37,2 Jahren für 32 Maschinen.

Russland holt deutlich auf

Ein interessantes Detail: In den Hangars russischer Fluggesellschaften stehen zwar immer noch zahlreiche Maschinen aus der Sowjet-Ära, offenbar aber haben sie bei der Modernisierung kräftig aufgeholt. Das Durchschnittsalter der Maschinen liegt laut „Aviation Week“ mit 11,9 Jahren sowohl unter dem US- als auch dem globalen Durchschnitt. Der europäische Mittelwert beträgt elf Jahre. Die Studie des Magazins berücksichtigte nur Maschinen, die in Regelbetrieb sind, nicht aber vorbestellte Flugzeuge - und gibt somit das tatsächliche Alter der Flotten wieder.

In neun Ländern, die in dem Ranking hinter den Spitzenreitern Kongo und Venezuela liegen, sind die Maschinen zwischen 22 und 30 Jahren alt. Darunter fallen unter anderen die Republik Kongo (Brazzaville), Peru, Kirgistan, Angola, Afghanistan, Pakistan, der Sudan, aber auch Serbien und das afrikanische Tourismusland Kenia. Zur Kategorie „Standardrumpfflugzeug“ (im Gegensatz zu „Großraumflugzeug“) zählen etwa die A-320-Familie, die Boeing 727 und 737, die Douglas DC-8 und DC-9 und die russische Tupolew Tu-154, von der zwischen 1968 und 2010 über 1.000 Stück ausgeliefert wurden.

Airlines auf Einkaufstour

Die neuesten Maschinen haben laut dem Magazin Irland, Katar, Ungarn, Singapur, Norwegen und die Philippinen in Betrieb. Das Durchschnittsalter liege dort zwischen 4,4 und 5,9 Jahren. Die Singapore Airlines bestellten erst Anfang August 54 Flugzeuge vom Typ Boeing 737-800 bzw. 737 Max. Die China Southern Airlines kündigten den Kauf von 40 Boeing 737 für ihre Regionaltochter Xiamen Airlines an. Die Hersteller müssten sich wegen der Überalterung der Flotten keine allzu großen Sorgen machen, lautet ein Schluss der „Aviation Week“ aus der Bestandsaufnahme. Früher oder später müssen die „Oldtimer“ schließlich ersetzt werden.

Ein weiterer Schluss, den die Studie nahelegt, ist der, dass das Alter der Maschinen nicht automatisch ein Sicherheitsrisiko darstellt, zumindest, wenn die Wartung und Aufrüstung auf modernere technische Standards stimmen. Schwedische Flugzeuge sind laut der Statistik (mit 13,9 Jahren) länger in der Luft als russische. Trotzdem geschehen in Russland (gemessen jeweils an der Zahl der Flüge) weitaus mehr Unfälle. Auch im Iran gilt das Sicherheitsrisiko, vor allem wegen der schwierigen Versorgung mit Originalersatzteilen infolge der Embargopolitik, gepaart mit einer starken Überalterung der Maschinen, als hoch.

Schwarze Liste wird länger

Probleme mit Wartung und Einhaltung der Sicherheitsstandards haben vor allem kleinere Airlines, wie auch die schwarze Liste der EU-Kommission („Liste der Betriebsuntersagungen für den Luftraum der Europäischen Union“) zeigt. Brüssel hat diese beim letzten, 19. „Update“ im April wieder erweitert. Es traf auch die venezolanische Conviasa - „aus Sicherheitsbedenken“, wie es hieß. Die erst 2004 gegründete, mehrheitlich in Staatsbesitz befindliche Airline betreibt eine Flotte, die im Durchschnitt an die 20 Jahre alt ist. Laut Mitteilung der Kommission fiel die Entscheidung "wegen zahlreicher Sicherheitsbedenken infolge von Unfällen und Überprüfungen auf EU-Flughäfen.

Neben der venezolanischen Conviasa landeten mehrere afrikanische und südostasiatische Fluggesellschaften auf der schwarzen Liste: eine aus der Demokratischen Republik Kongo, eine aus Äquatorialguinea, eine aus Mauretanien, fünf aus Indonesien und gleich sieben, die auf den Philippinen registriert sind. Fluglinien, die auf der Liste landen, sind entweder Start und Landung innerhalb der EU völlig untersagt bzw. gelten für sie spezielle Auflagen. Ausschlaggebend sind technischer Zustand der Flotten, aber auch die Einhaltung international üblicher Sicherheitsstandards, aber auch die Fähigkeit der jeweils national zuständigen Behörden, Auflagen durchzusetzen.

Auch politische Rahmenbedingungen ein Faktor

Aus diesem Grund finden sich auf der „Bannliste“ besonders viele Fluglinien aus Entwicklungsländern oder aber auch Staaten mit instabilen politischen Verhältnissen. Für Airlines etwa aus Afghanistan, Angola, dem Kongo, Benin, Äquatorialguinea ist der europäische Luftraum gänzlich tabu. Indonesische, libysche, philippinische Fluggesellschaften und weitere aus dem afrikanischen Liberia, Mosambik, Sambia, Sudan, Ghana, Gabun und Mauretanien gilt das Flugverbot teilweise bzw. unter speziellen Auflagen. Insgesamt füllt die Liste derzeit 25 Seiten.

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