Themenüberblick

Hoher Geheimdienstmann setzt sich ab

Ein Verwandter des syrischen Vizepräsidenten Faruk al-Scharaa hat nach einem Bericht des Fernsehsenders al-Arabija Staatschef Baschar al-Assad die Gefolgschaft aufgekündigt. Der Sender strahlte am Donnerstag eine zunächst nicht zu verifizierende Erklärung aus, die von Scharaas Cousin Jarab al-Scharaa stammen soll. Darin wird die Armee aufgerufen, sich der Revolution anzuschließen.

Zunächst hatte der Sender berichtet, Scharaa selbst habe die Seiten gewechselt. Jarab al-Scharaa wurde als Chef einer Einheit des politischen Geheimdienstes in Damaskus identifiziert und soll sich gemeinsam mit einem weiteren Familienmitglied, das ebenfalls im Sicherheitsapparat beschäftigt war, nach Jordanien abgesetzt haben.

Vizepräsident Faruk al-Scharaa gehört zu den wenigen Sunniten, die unter der Herrschaft der alawitischen Assad-Familie in Spitzenpositionen gelangt sind. Er trat in den vergangenen Monaten kaum noch in Erscheinung. Zu Beginn der Krise 2011 hatten ihn Beobachter als möglichen Vermittler oder Übergangsregierungschef ins Spiel gebracht.

Assad-Bruder verlor bei Anschlag Bein

Bei dem Anschlag auf die Führung der syrischen Sicherheitskräfte im Juli in Damaskus wurde auch der Bruder des syrischen Präsidenten Assad, Maher, Kreisen zufolge schwer verletzt. Maher habe dabei ein Bein verloren, sagten ein westlicher Diplomat und ein Informant aus der Golfregion. Bei dem Anschlag am 18. Juli war die Hälfte der sechs Mitglieder des Krisenstabs getötet worden. Unter den Toten war auch Assads Schwager Assef Schawkat.

Mehr als 40 Zivilisten bei Luftangriff getötet

Bei einem Luftangriff der syrischen Regierungstruppen auf die Ortschaft Asas (Provinz Aleppo) sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) mehr als 40 Zivilisten getötet worden. Beim Abwurf von mindestens zwei Bomben sei am Mittwoch ein ganzer Häuserblock in Trümmer gelegt worden, hieß es am Donnerstag in dem Bericht. Unter den Opfern seien viele Frauen und Kinder. Mehr als 100 Menschen erlitten Verletzungen.

„Kaltschnäuzig“

HRW-Mitarbeiter hätten den Schauplatz zwei Stunden nach dem tödlichen Bombardement aufgesucht und zahlreiche Überlebende, Augenzeugen und örtliche Hilfskräfte befragt. Der angegriffene Häuserblock lag in der Nähe eines Hauptquartiers der Rebellenmiliz Freie Syrische Armee (FSA) und eines FSA-Gebäudes. Beide Objekte wurden aber nicht beschädigt. „Die syrischen Regierungsstreitkräfte haben wieder einmal unter kaltschnäuziger Missachtung des Lebens von Zivilisten angegriffen“, erklärte die HRW-Expertin Anna Neistat.

Nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter in London wurden am Mittwoch in ganz Syrien mindestens 180 Menschen getötet, unter ihnen 127 unbewaffnete Zivilisten. Seit Beginn des Syrien-Konflikts im März 2011 starben nach UNO-Schätzungen mindestens 17.000 Menschen, Oppositionsgruppen sprechen sogar von mehr als 20.000 Toten.

Links: