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Kampf gegen Dutzende Konkurrenten

Seit Nespresso 1986 seine ersten Kapselkaffeemaschinen auf den Markt gebracht hat, kämpft der Hersteller mit rigider Patentpolitik und einer Klagsflut gegen seine Nachahmer. Der lukrative Markt mit jährlich zweistelligen Zuwachsraten hat mittlerweile eine große Zahl an Konkurrenzanbietern auf den Plan gerufen - Nespresso scheint immer mehr die Hoheit über die Kaffeekapsel zu verlieren.

Der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestle muss in seinen Nespresso-Maschinen den Kaffee von Konkurrenten dulden. Das hat das Landgericht Düsseldorf am Donnerstag entschieden. Es wies eine Patentschutzklage des Herstellers Nestec - einer ebenfalls in der Schweiz sitzenden Nestle-Tochter - zurück. Die wollte den Konkurrenten Ethical Coffee Company und Betron vorschreiben lassen, ihre billiger angebotenen Kaffeekapseln mit dem Hinweis zu versehen, sie seien nicht für Nespresso geeignet.

Nicht „Herzstück“ der patentierten Maschine

Nach Auffassung des Gerichts ist jedoch die Kaffeekapsel zwar Bestandteil, aber nicht funktionales „Herzstück“ der insgesamt patentierten Nespresso-Maschine. Deren Käufer dürften erwarten, dass sie das Gerät nicht nur mit den Originalkapseln benutzen können, heißt es in der Urteilsbegründung. Die Anwältin der beklagten Firmen argumentierte ebenfalls, die Kaffeekapseln seien ein gängiger Gebrauchsgegenstand.

Nestec kann gegen die Urteile Berufung beim Oberlandesgericht Düsseldorf einlegen. Nespresso Deutschland erklärte sich „enttäuscht“ und betonte, die Entscheidung habe „keinen Einfluss auf zukünftige Entscheidungen“. Nespresso werde weiterhin mit juristischen Maßnahmen versuchen, seine geistigen Eigentumsrechte zu schützen.

Ex-Nespresso-Chef als neuer großer Konkurrent

Hersteller Ethical Coffee Company hat mit dem REWE-Konzern (in Österreich etwa vertreten durch Billa, Merkur u. a.) ein starkes Vertriebsnetz hinter sich stehen. Die Kapseln sind nicht nur billiger als die Nespresso-Konkurrenz, sondern auch - anders als die Aluminium-Kapseln - biologisch abbaubar. Besonders pikantes Detail jedoch: Hinter der Marke steht mit Jean-Paul Gaillard ein ehemaliger Nespresso-Chef. Er leitete das Unternehmen bis 1997, bevor er von Freiburg aus sein eigenes Kapselsystem aufbaute. Seine kleine Firma produziert mittlerweile über Fabriken in Frankreich 300 Millionen Kapseln.

Erst im Juni musste der Schweizer Nahrungsmittelmulti in Italien eine ähnliche Niederlage einstecken: Ein Turiner Gericht entschied, dass die italienische Kaffeefirma Caffe Vergnano weiterhin die mit Nespresso-Maschinen kompatiblen Kaffeekapseln „Espresso1882“ produzieren und verkaufen darf.

Klagsflut gegen Konkurrenz

Nach Angaben des Unternehmens hat Nespresso auf dem Markt für portionierten Kaffee weltweit mehr als 50 Mitbewerber. Nespresso gehe lediglich gegen einige wenige Wettbewerber juristisch vor, heißt es vonseiten des Unternehmens. Doch allein in der Schweiz sind die Anzeigen zahlreich: Nach Klagen gegen die Coop-Tochter Fust und den Diskonter Denner geht Nestle in der Schweiz nun auch gegen die Supermarktkette Migros vor. Auch MediaMarkt und Saturn wurde in der Schweiz untersagt, Kapseln zu verkaufen, die auch in Nespresso-Maschinen passen. Fust und Denner dürfen nach einem vorübergehenden Verkaufsstopp ihre Kapseln vorläufig wieder verkaufen.

Das Geschäft ist aber dennoch lukrativ. Nespresso verbucht trotz der großen Konkurrenz jährliche Umsatzzuwächse im zweistelligen Bereich: 2011 etwa machte der Konzern einen Umsatz von drei Mrd. Franken (2,5 Mrd. Euro), 20 Prozent mehr als im Jahr davor.

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