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16 Polizisten verletzt

Bei schweren Zusammenstößen zwischen rund hundert Jugendlichen und der Polizei sind im nordfranzösischen Amiens 16 Polizisten verletzt worden. Drei öffentliche Gebäude wurden bei den Ausschreitungen in der Nacht zum Dienstag nach Angaben der Behörden teils zerstört, mehrere Autos brannten aus.

Etwa 100 Jugendliche zündeten in Amiens, rund rund 150 Kilometer nördlich von Paris, Autos an und schossen auf Polizisten. Den Behörden zufolge wurden 16 Beamte verletzt, einer von ihnen schwer. Der sozialistische Präsident Francois Hollande entsandte seinen Innenminister nach Amiens und kündigte an, mit allen Mitteln für Ruhe und Ordnung zu sorgen. 2005 hatte die konservative Vorgängerregierung angesichts besonders schwerer Ausschreitungen den Ausnahmezustand verhängt.

Polizeikontrollen als Auslöser?

Auslöser für die Unruhen war laut Polizeiangaben eine Verkehrskontrolle am Sonntagabend, die von Anrainern angesichts einer in nächster Nähe stattfindenden Trauerfeier als übertrieben empfunden worden war. In der Folge sei es bereits am Sonntag zu Zusammenstößen gekommen, die jedoch am Montagabend eskalierten, als zusätzliche Polizeitruppen zur Verstärkung einrückten. Einige Beamte wurden durch Schrotkugeln verletzt, wie die Behörden weiter mitteilten. Die Randalierer hätten zum Teil Autofahrer aus ihren Fahrzeugen gezerrt und die Autos dann in Brand gesetzt. Zunächst wurde niemand festgenommen. Die Polizeikräfte wurden verstärkt.

Französische Polizisten beobachten die Krawalle von der Distanz aus

APA/EPA/MAXPPP/LE COURRIER PICARD/Guillaume Clement

Hollande schickte Innenminister Manuel Valls in die Region. Für den Präsidenten gelten die Ausschreitungen als die erste Bewährungsprobe im Bereich der inneren Sicherheit, wo sich sein konservativer Vorgänger Nicolas Sarkozy mit seiner Politik der harten Hand nicht nur Freunde gemacht hatte.

Hollande: Mit allen Mitteln gegen Gewalt kämpfen

Hollande kündigte an, im Kampf gegen die Gewalt sämtliche Mittel zu mobilisieren. Dienstagabend machte er sein Versprechen bereits wahr und schickte 100 neue Polizisten in die Stadt. Um eine weitere Nacht mit Ausschreitungen zu verhindern, seien nun insgesamt 250 Polizisten an Ort und Stelle, teilte das Innenministerium mit.

Hollandes Ankündigung bedeutet auch, dass im kommenden Haushalt zusätzliche Gelder für die Polizei eingeplant würden. „Die Gewalt gegenüber der Polizei, die ausgebrannten Gebäude und die Menschen in Angst sind inakzeptabel“, sagte Hollande. Der bei den Präsidentenwahlen im Mai über Sarkozy siegreiche Hollande hat mit einer Wirtschaft am Rande der Rezession, leeren Staatskassen und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen.

Ausgebranntes Autowrack

APA/EPA/MAXPPP/LE COURRIER PICARD/Guillaume Clement

Zone mit erhöhter Sicherheitsstufe

Amiens zählt zu den vom französischen Innenminister Valls gerade erst eingeführten und auf ein Wahlkampfversprechen von Hollande zurückgehenden „Zones de Securite Prioritaire“ (Vorrangige Sicherheitsgebiete). Diese weisen eine besonders hohe Kriminalitätsrate auf, weshalb ab September dort verstärkt Sicherheitskräfte vertreten sein sollen. Vorerst existieren in Frankreich 15 solcher Gebiete, auch der 18. Bezirk von Paris, Lille, Straßburg oder der Pariser Vorort Seine-Saint-Denis, wo 2005 großangelegte Unruhen ihren Ausgang nahmen, zählen dazu.

In Amiens komme es regelmäßig zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Jugendlichen, allerdings hätten diese noch nie ein solches Ausmaß angenommen, hieß es aus dem Rathaus der Stadt. Er habe die Probleme jedoch kommen sehen, erklärte der Bürgermeister Amiens’, Gilles Demailly: „Seit Monaten fordere ich zusätzliche Mittel, da die Spannungen im Viertel immer mehr zugenommen haben“, sagte er.

Erinnerungen an schwere Zusammenstöße 2005

Jugendliche in den heruntergekommenen Vororten mehrerer Städte Frankreichs sind von der Aussichtslosigkeit auf dem Arbeitsmarkt besonders stark betroffen. Die Wut der Bewohner speist sich zudem aus einem Gefühl der Entfremdung von der übrigen Gesellschaft und dem latenten Dauerkonflikt mit der Polizei. Die schwersten Krawalle gab es bisher 2005. Wegen der über Wochen anhaltenden Gewalt rief die Regierung damals den Notstand aus. Eine Debatte über die sozialen Brennpunkte in den Vororten und die Integration von Immigranten vor allem aus Afrika begann. Auch 2007 und 2010 gab es größere Zusammenstöße.

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