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Auch die Jugend enttäuscht

Fast ein Viertel der Österreicher tut sich schwer zu verstehen, was der Arzt sagt. Rund 56 Prozent haben einer Studie des Ludwig Boltzmann Instituts zufolge eine problematische oder gar inadäquate Gesundheitskompetenz. „Auch die Jugendlichen unterscheiden sich nicht so sehr von den Erwachsenen, wie wir gehofft hätten“, sagte Studienautor Jürgen Pelikan am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien.

Das Ost-West-Gefälle sei dagegen nicht so stark wie erwartet, Unterschiede zwischen den Bundesländern bestehen aber. Die Studie wurde in weiteren sieben EU-Ländern durchgeführt, in Österreich finanzierte sie der Fonds Gesundes Österreich.

Erhoben wurde, wie kompetent sich die Befragten selbst einschätzen - in den Themenfeldern Krankheitsbewältigung, Prävention und Gesundheitsförderung. Sie wurden etwa gefragt, wie schwer sie es fänden, Vor- und Nachteile von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu beurteilen, Angaben auf Lebensmittelpackungen zu verstehen oder aufgrund von Informationen aus den Medien zu entscheiden, wie Sie sich vor Krankheiten schützen können?

Grafik einer  Umfrage zu Wissen zum Thema Gesundheit nach Bundesländern

APA/Margret Schmitt

Sozial Schwache haben eher Schwierigkeiten

Zentrale Studienergebnisse laut Pelikan: Gesundheitskompetenz und Gesundheit hängen eng zusammen, bei Personen aus sozial schwächeren Gruppen sei mangelnde Gesundheitskompetenz häufiger. Im Vergleich zu den anderen Ländern schneide Österreich generell unterdurchschnittlich ab.

Um diese Situation zu verbessern, seien Maßnahmen auf zwei Ebenen notwendig. Zum einen müsse das System verständlicher werden, zum anderen die Bevölkerung darin geschult werden, mit den Informationen umzugehen. „Es ist besonders wichtig, schon frühzeitig anzusetzen und Kinder und Jugendliche zu befähigen, ihre Alltagsentscheidungen zu gesunden Entscheidungen zu machen“, so Stefan Spitzbart vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger, der einen Teil der Befragung mitfinanzierte.

Komplexes System muss auch verständlich sein

Auf die steigende Komplexität im Gesundheitssystem nahm Pamela Rendi-Wagner vom Gesundheitsministerium Bezug. Als Aufgabe der Politik bezeichnete sie es, Rahmenbedingungen zu schaffen, Orientierung zu bieten und die Patientensouveränität zu stärken. Könne das komplexe System nicht adäquat genutzt werden, seien die Ressourcen nämlich eigentlich verschwendet.

Im europäischen Vergleich am besten abgeschnitten haben die Niederlande. Woran das liege, müsse erst untersucht werden, so Pelikan. Sie hätten aber sehr viel früher ein System eingeführt, bei dem es um Kommunikation geht, stellte er fest. Auch die Sprachkurse für Migranten würden in den Niederlanden etwa Elemente zur Gesundheitskompetenz beinhalten, ergänzte die international renommierte deutsche Gesundheitsexpertin Ilona Kickbusch.

Worauf die unterschiedlichen Ergebnisse in den Bundesländern zurückzuführen seien, müsse auch noch untersucht werden, hieß es. Fest stehe nur, dass Vorarlberg und Burgenland an der Spitze liegen, die Steiermark und Wien dagegen das problematischste Bild zeichnen.

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