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Rebellen: Kampfjet abgeschossen

Nun haben auch die Vertreter von fast 60 islamischen Staaten der Organisation der Islamischen Zusammenarbeit (OIC) genug von der „Politik der verbrannten Erde“ von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Die Außenminister der OIC-Länder empfahlen am Montagabend eine Suspendierung Syriens von der Konferenz.

Am Dienstag sollen die Staats- und Regierungschefs darüber beraten. Syrien, ebenfalls OIC-Mitglied, war zu diesem Treffen nicht eingeladen. „Syrien ist in einen dunklen Tunnel eingetreten“, sagte der türkische OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu. Die Mehrheit der Teilnehmer habe dem Resolutionsentwurf für eine Suspendierung Syriens zugestimmt. Nur der Iran als engster Verbündeter von Damaskus sprach sich gegen einen Ausschluss aus. Der saudische König Abdullah will mit diesem Sondergipfel die Rebellen stärken.

Kampfjet abgeschossen?

Wie stark die Rebellen militärisch tatsächlich sind, ist unklar. Am Montag schossen sie eigenen Angaben zufolge einen Kampfjet vom Typ MiG 23 der syrischen Armee ab. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es nicht. Das Regime dementierte den Abschuss. Der Absturz sei auf einen „technischen Fehler“ zurückzuführen. Der Kampfjet sei auf einem „gewöhnlichen Trainingsflug“ gewesen, und der Pilot habe sich in Sicherheit bringen können.

Laut dem Sprecher der Freien Syrischen Armee, Kassem Saadeddin, wurde das Kampfflugzeug in der ostsyrischen Region Deir al-Sor mit einem 14,5-Millimeter-Geschoß aus einem Luftabwehrgeschütz getroffen. Schon vor wenigen Tagen berichtete NBC News, dass die Rebellen auf dem Weg über das Nachbarland Türkei auch fast zwei Dutzend Boden-Luft-Raketen erhalten haben sollen. Sollten sich diese Angaben bewahrheiten, wäre eine neue militärische Dimension und eine drastische Aufrüstung der Rebellen in dem Konflikt in Syrien erreicht.

Einem Reuters-Bericht zufolge werden die Rebellen mittlerweile von ehemaligen Kämpfern aus dem libyschen Bürgerkrieg im vergangenen Jahr unterstützt. Sie trainieren dem Bericht zufolge die syrischen Rebellen und helfen, sie zu organisieren.

Video mit angeblichem Piloten

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SANA sei am späten Montagabend noch immer nach dem Piloten gesucht worden. Da hatten die Rebellen aber bereits ein Video präsentiert, das offenbar den Piloten des Jets zeigt. Es soll sich dabei um Mufid Mohammed Suleiman handeln. Ein Ausweis des Offiziers wurde in dem Video aber nicht gezeigt.

Syrischer Pilot Rafik Mohammed Suleiman umringt von Rebellen

AP/Shaam News Network

In einem Video präsentierte sich Mufis Mohammed Suleiman als Pilot des Jets

Der Mann zeigte sich in Zivilkleidung, umgeben von bewaffneten Männern. Er rief in dem Video andere Militäroffiziere auf zu desertieren. Seinen Angaben zufolge hätten die Rebellen nach seinem Absprung mit dem Fallschirm auch Erste Hilfe geleistet. Die Rebellen wollen den Piloten nun als Kriegsgefangenen behandeln. Die Authentizität des Videos kann nicht bestätigt werden.

Gräuelvideos von Rebellen aufgetaucht

Während in Aleppo weitergekämpft wird, sind mittlerweile im Internet Videos über von Aufständischen begangene Grausamkeiten aufgetaucht. Die Videos, deren Entstehungsbedingungen nicht geklärt werden konnten, zeigen unter anderem, wie einem gefesselten Mann mit verbundenen Augen die Kehle durchgeschnitten wird und wie eine Menschenmenge „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“) ausruft, während von einem Dach die Leichen mutmaßlicher regierungstreuer Kämpfer geworfen werden.

Die drei am Montag aufgetauchten Videos zeigen offenbar ausnahmslos Vorfälle aus der Provinz Aleppo, in der einander die Regierungstruppen und die Aufständischen seit Wochen heftige Kämpfe lieferen. Die Szene, auf der zum Jubel der Menge Leichen von einem Dach geworfen werden, soll aus dem Stadtteil al-Bab stammen.

Aus Homs meldete der iranische Fernsehsender al-Alam, dass einer seiner Journalisten entführt worden sei. Der Journalist Ahmed Sattuf sei auf dem Heimweg von „einer Gruppe bewaffneter Terroristen“ verschleppt worden, berichtete der arabischsprachige Fernsehkanal am Dienstag auf seiner Website. Die Rebellen hätten zudem das Büro des Senders in Homs attackiert und Arbeitsmaterial gestohlen, berichtete al-Alam weiter.

Zwei Millionen von Kämpfen betroffen

Die UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos will sich ab Dienstag selbst ein Bild von der humanitären Situation machen. Sie reist in den Libanon und nach Syrien. Rund zwei Millionen Menschen sind der UNO zufolge von den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Oppositionellen betroffen. Mehr als eine Million sei innerhalb des Landes, etwa 140.000 Menschen über die Grenze nach Jordanien, in den Irak, die Türkei oder in den Libanon geflohen. Diese Menschen brauchten dringend humanitäre Hilfe.

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