Syrische Rebellen: Kampfjet abgeschossen

Die syrischen Rebellen haben nach eigenen Angaben erstmals einen Kampfjet der syrischen Armee abgeschossen und den Piloten gefangen genommen.

Der Sprecher der Freien Syrischen Armee, Kassem Saadeddin, sagte gestern, ein Kampfflugzeug vom Typ MiG 21 sei in der ostsyrischen Region Deir al-Sor abgeschossen worden. „Er wurde von einem 14,5-Millimeter-Geschoß aus einem Luftabwehrgeschütz getroffen.“

Der Pilot wurde nach Angaben einer Rebellengruppe namens „Die revolutionäre Jugend des Landes am Euphrat“ gefangen genommen. Die Gruppe veröffentlichte ein Video, in dem ein von drei bewaffneten Männern umstellter Mann zu sehen ist. Dieser wird als Pilot Mufid Mohammed Suleiman vorgestellt. Er sagt, er habe den Auftrag gehabt, die Stadt Muhasen in Deir al-Sor anzugreifen.

Video dazu in iptv.ORF.at

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur SANA berichtete vom Verlust eines Kampfjets, stellte den Vorfall jedoch als Unfall dar. Das Flugzeug sei im Osten des Landes während eines routinemäßigen Trainingsflugs aufgrund eines technischen Defekts abgestürzt.

Suspendierung von Islamischer Konferenz?

Die Außenminister der Mitgliedsländer der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) haben unterdessen eine Suspendierung Syriens von der Gruppe empfohlen. Die Mehrheit der Teilnehmer des Vorbereitungstreffens auf Ministerebene habe einem Resolutionsentwurf zugestimmt, der heute auf dem OIC-Gipfel im saudi-arabischen Mekka vorgelegt werden solle, sagte OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu vor Journalisten in Dschiddah. Eine Diskussion über einen möglichen Ausschluss Syriens hatte sich zuvor abgezeichnet.

„Syrien ist in einen dunklen Tunnel eingetreten“, sagte Ihsanoglu zu Beginn des Treffens der Außenminister der OIC-Staaten. Die anhaltende brutale Gewalt in Syrien sei die Folge davon, dass Staatschef Baschar al-Assad die Forderungen seines Volkes ignoriert habe. Der Iran, engster Verbündeter der Führung in Damaskus, sprach sich bereits strikt gegen einen Ausschluss Syriens aus.

Weiter heftige Kämpfe um Aleppo

Unterdessen ist die syrische Armee in ein weiteres Viertel der seit Wochen umkämpften Stadt Aleppo vorgedrungen. Die Regierungstruppen seien mit Panzern in den westlichen Stadtteil Saif al-Daula vorgestoßen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Zuvor waren im Internet Videos über von syrischen Aufständischen begangene Grausamkeiten aufgetaucht.

Gräuelvideos aufgetaucht

Die Videos, deren Entstehungsbedingungen nicht sofort aufgeklärt werden konnten, zeigen unter anderem, wie einem gefesselten Mann mit verbundenen Augen die Kehle durchgeschnitten wird und wie eine Menschenmenge „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“) ausruft, während von einem Dach die Leichen mutmaßlicher regierungstreuer Kämpfer geworfen werden.

Die drei am Montag aufgetauchten Videos zeigen offenbar ausnahmslos Vorfälle aus der Provinz Aleppo, in der sich die Regierungstruppen und die Aufständischen in den vergangenen Wochen heftige Auseinandersetzungen lieferten. Die Szene, auf der zum Jubel der Menge Leichen von einem Dach geworfen werden, soll aus Al-Bab stammen.

UNO-Beauftragte reist nach Syrien

Die für humanitäre Einsätze zuständige UNO-Beauftragte Valery Amos will in dieser Woche in Syrien über eine Ausweitung der Hilfsaktionen für die leidende Zivilbevölkerung beraten. Amos plant zudem einen Besuch bei syrischen Flüchtlingen im Libanon. Aus der syrischen Opposition wird unterdessen die Forderung nach einer Flugverbotszone über dem Land laut.