Locarno: Hauptpreis an Frankreich

Die Jury des Internationalen Wettbewerbs beim 65. Internationalen Filmfestival in Locarno hat vor allem das anspruchsvolle Kino ausgezeichnet. Den Hauptpreis, den „Goldenen Leoparden“, vergab die Jury gestern unter Vorsitz des Filmemachers und bildenden Künstlers Apichatpong Weerasethakul aus Bangkok an den Lowest-Budget-Gruselfilm „La Fille de Nulle Part“ („Das Mädchen von Nirgendwo“) des Franzosen Jean-Claude Brisseau.

Preis auch für österreichischen Film

Auch eine der beiden im Wettbewerb gestarteten österreichischen Produktionen, „Der Glanz des Tages“ von Tizza Covi und Rainer Frimmel, wurde ausgezeichnet. Der Silberne Leopard für den besten Schauspieler ging an den deutschen Zirkusartisten Walter Saabel (geb. 1950), der im österreichischen Kandidaten für den Auslandsoscar 2011, dem Film „La Pivellina“ des Regie-Duos Covi/Frimmel, sein Filmdebüt gegeben hatte.

„Der Glanz des Tages“ erhielt auch eine spezielle Erwähnung der ökumenischen Jury und einen weiteren Nebenpreis.

Silberner Leopard an Ying Liang

Der Spezialpreis der Jury ging an die US-amerikanische Komödie „Somebody Up There Likes Me“. Darin zeigt Regisseur Bob Byington stilistisch originell die lebenslange Suche eines Mannes nach sich selbst. Der Silberne Leopard für die beste Regie wurde dem Chinesen Ying Liang für das Drama „Wo Hai You Hua Yao Shuo“ („When Night Falls“) verliehen.

An Nai erhielt für ihre Mitwirkung an dem südkoreanisch-chinesischen Film den Preis für die beste Darstellerin.

Eine Special Mention der Hauptjury ging an die - im Film nicht sichtbare - Figur der Candy in „A Ultima Vez Que Vi Macau“, für die Jury eine Repräsentantin des „enormen Mutes des portugiesischen Kinos“ in einer Zeit der weltweit bedrohten Filmkunst.

„Lore“ bekommt Freiluftprogramm-Preis

Der Hauptpreis in der „Woche der Kritik“ ging an die deutsche Dokumentation „Vergiss mein nicht“. Darin porträtiert Regisseur David Sieveking voller Feingefühl und mit großem Mut zu schonungsloser Offenheit seine an Demenz leidende Mutter.

Der Preis für den besten Film im Freiluftprogramm auf der Piazza Grande ging an das Anti-Kriegsdrama „Lore“, der mit berührender Anteilnahme das Schicksal elternloser Kinder am Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland verfolgt.

In der Nachwuchskategorie „Cineasti del presente“ ging der Goldene Leopard an den japanischen Film „Inori“ und der Regiepreis an „Ape“ des Amerikaners Joel Potrykus; der Film über einen erfolglosen Comedian, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht, erhielt auch eine spezielle Erwähnung der Erstlingsjury.

Eines der wichtigsten europäischen Festivals

Das Schweizer Filmfest am Lago Maggiore zählt hinter Cannes, Berlin und Venedig zu den wichtigsten europäischen Festivals. Es ging gestern zu Ende. Insgesamt liefen in den vergangenen elf Tagen auf dem Filmfestival von Locarno rund 300 Filme in verschiedenen Sektionen.

Im Internationalen Wettbewerb um den „Goldenen Leoparden“ konkurrierten 19 Dokumentar- und Kurzfilme aus aller Welt, darunter mit „Der Glanz des Tages“ und „Museum Hours“ zwei österreichische Produktionen. Der „Goldene Leopard“ und die anderen Auszeichnungen wurden gestern Abend in Locarno während einer Gala auf der Piazza Grande vergeben.